Chrom versus Wellblech

Ein paar Beispiele, wie man mit Elektromobilen Emotionen schürt – und wie nicht.

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Ein paar Beispiele, wie man mit Elektromobilen Emotionen schürt – und wie nicht.

Meine erster Gedanke: Mann, ist der hässlich. Meine zweiter Gedanke: Das ist nicht deren Ernst. Meine dritter Gedanke: Mann, ist der hässlich. Mit zweijähriger Verspätung haben es Daimler und der chinesische Elektroauto-Pionier BYD tatsächlich geschafft, ein Fahrzeug auf die Räder zu stellen, das den Charme eines koreanischen Brot-und-Butter-Kleinwagens aus den frühen neunziger Jahren locker unterbietet.

Der „Denza“, den das schwäbisch-chinesische Konsortium Ende April in Peking vorgestellt hat, soll zwar eine beeindruckende Reichweite von 300 Kilometern haben. Aber optisch ist er ein Totalausfall: Was soll diese unmotiviert knubbelige Motorhaube? Wenn es ein komplett neues E-Mobil sein soll – warum sieht es dann trotzdem aus wie ein umgebauter Kleinwagen? Das Heck: Ginge es vielleicht noch etwas uninspirierter? Die Silhouette: laaang-weil-lig. Und allein schon dieser Kühlergrill: Was soll dieses dümmlich grinsende Chrommaul? Es erinnert mich an den Versuch früher Autobauer, künstliche Pferdeköpfe an ihre Benzinkutschen zu kleben, um die werte Kundschaft nicht mit zu viel Innovation zu verschrecken. Der Denza soll Aufbruch signalisieren? Selten so geweint. Vielleicht gefällt das Ding ja wenigstens den Chinesen. Auf den deutschen Markt soll es sobald ohnehin nicht kommen.

Nun wäre es allerdings unfair, den Denza etwa an Tesla zu messen. In Sachen Sexappeal spielen Roadster und Model S ohnehin in einer anderen Liga. Und das Design eines BMW i3 oder eines Toyota Prius ist ja auch Geschmackssache. Vielen finden den i3 zu knubbelig und den Prius zu flundrig. Kann ich nicht ganz wegdiskutieren. Doch jenseits aller Geschmacksfragen ist jeder der beiden Wagen immerhin unverwechselbar, ein Statement, ein optisches Ausrufezeichen. Der i3 stellt den Versuch dar, eine eigene Formensprache, eine neue Raumaufteilung für Elektroautos zu finden. Sozusagen eine Fingerübung für die Zeit, in der Radnabenmotoren den Designern noch größere Freiheiten lassen. Wie sähe wohl ein künftiger Denza mit Radnabenmotoren aus? Wahrscheinlich hätte er immer noch eine Motorhaube mit gefaktem Kühlergrill, weil den Designern halt nichts anderes einfällt.

Wie sexy Elektromobile aussehen können, zeigt sich im Zweiradbereich: Die Entwickler-Community von Local Motors (ja, genau die mit diesem präpotenten Rallye Fighter) hat ein wunderschönes Retro-Bike entwickelt, bei dem die Akkus wie die Zylinder eines V2-Motors im Rahmen stehen. (Jaja, ich weiß: angeklebter Pferdekopf und so, aber in diesem Fall siehts einfach gut aus.) Und die Brammo Empulse R zeigt, dass Elektro-Motorräder ihre Akkus nicht in rundgelutschten Verkleidungen verstecken müssen. Genau den gegenteiligen Weg sind die Designer von Johammer gegangen – mit einem, sagen wir mal, interessanten Ergebnis. Ob ich mich auf so einer Wellblechwanne vor einem Eiscafé blicken lassen wollte? Ich weiß nicht. Auf jeden Fall haben die Österreicher einen Pokal für gestalterische Konsequenz verdient.

Stromer können also durchaus Emotionen wecken. Aber wenn sie so verschnarcht daherkommen wie der Denza, wird das nie was mit der Elektromobilität. (grh)