Streber ärgert Wildsau

Dampf und Traktion im Übermaß haben sie beide. Doch die Charaktere von VW Golf R und Mercedes A 45 AMG sind fast schon gegensätzlich. Auf Deutschlands höchster Passstraße suchen wir eine persönliche Antwort auf die Entscheidungsfrage "was bringt's mehr – Wildsau oder Streber?"

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Von
  • Stefan Wagner
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München, 29. Dezember 2014 – "Kompakt und Schrägheck" ist in Deutschland die beliebteste Erscheinungsform des Autos. Am unteren Ende des naturgemäß äußerst breit aufgestellten Angebots in diesem Segment wird immer mehr geknausert, assistiert und "connected", damit man die angeblich KFZ-müde Jugend überhaupt noch ins Autohaus bekommt. Auf der anderen Seite fährt man Geschütze auf, deren schiere Gewalt und Technologie bis vor kurzem noch undenkbar waren.

Die derzeit schärfsten Krawallbrüder Deutschlands heißen VW Golf R und Mercedes A 45 AMG (der nächste Ford Focus RS mit etwa 350 PS und der neue Audi RS3 mit 367 PS lassen noch ein wenig auf sich warten). Beiden gemein sind ein Zweiliter-Vierzylinder-Turbo, ein Doppelkupplungsgetriebe und ein Allradantrieb mit Lamellenkupplung. Die großen Mengen an Assistenzsystemen nerven mit ihrem ständigen Gepiepse so, dass man nach spätestens zehn Minuten so lange wutentbrannt auf die Systemeinstellungen einhämmert, bis endlich alle Fahrhilfen ausgeschaltet sind. Besser ergötzt man sich am überbordenden Leistungsangebot des deutschen Premium-Kompaktsports. Das geht derzeit nirgends besser als in der Wildsau aus Affalterbach A 45 AMG.

Streber ärgert Wildsau (35 Bilder)

Kompakte Krawallbrüder im Vergleich: VW Golf R und Mercedes A 45 AMG auf dem Riedbergpass

Während der Allgäuer Riedbergpass (Deutschlands höchster befahrbarer Gebirgspass) noch leicht verschlafen mit einem morgendlichem Sonne-Wolken-Gemisch kämpft, schreit das hinter einem etwas zu großen Mercedes-Stern eingesperrte Monster bereits nach Aufmerksamkeit. 360 PS und 450 Nm stark. Hinten rotzt es so dreckig heraus, als säße ein von Schluckauf geplagter Teufel in den Endrohren. Beim Anfahren genehmigt sich der aktuell stärkste Vierzylinder in einem Serienfahrzeug zwar eine spürbare Atempause, dann aber gibt es kein Halten mehr. Der Lader besitzt eben eine gewisse Trägheit wegen seiner Dimension für die hohe Literleistung. Der mittlere Drehzahlbereich ist pures Nackentraining und wo übliche Motoren ausgelaugt gegen eine imaginäre Gummiwand drehen (so ab 5500 Touren) kriegt der A erst die zweite Luft und hämmert lustvoll Richtung Begrenzer.