Autobosse: Selbstfahrende Fahrzeuge kommen – aber nur schrittweise

Auf der Automesse in Detroit sind sich die Firmenchefs einig, dass Autos schrittweise in immer mehr Situationen selbstständig fahren. Der "Fahrer" wird aber nicht durchgängig arbeiten oder entspannen können.

vorlesen Druckansicht 146 Kommentare lesen
Autobosse: Selbstfahrende Fahrzeuge kommen – aber nur schrittweise

(Bild: Volvo)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

Am Steuer E-Mails lesen, fernsehen oder sogar schlafen: Die Vision vom Autofahren mit Auto-Pilot elektrisiert die Branche. Auf der Automesse in Detroit sind sich die Unternehmenschefs einig, dass der Siegeszug selbstfahrender Autos nur noch eine Frage der Zeit sein dĂĽrfte.

"Man startet manuell und erreicht dann eine Strecke – etwa auf der Autobahn oder im Stau –, auf der es so langweilig ist, dass man auf Autopilot drückt", sagte Volvo-Chef Håkan Samuelsson der dpa. "Bei komplexen Dingen kehrt man dann wieder auf manuell zurück – etwa bei Situationen mit vielen Fußgängern."

Autonome Autos kommen (28 Bilder)

Im Herbst 2015 stattete Tesla sein Model S per Software-Update mit einem Autopiloten aus.
(Bild: Tesla)

Volvo arbeitet derzeit in Göteborg an dem nach eigenen Angaben weltweit ersten großen Test für autonomes Fahren. Dabei sollen 100 Autos von 2017 an ohne aktive Fahrer in Alltagssituationen selbstständig unterwegs sein. Samuelsson ist von einer Zukunft mit Autopilot-Funktion überzeugt: Bereits in fünf Jahren könne die Technik zur Serie werden. Auch deutsche Autobauer treiben das Thema voran. Audi und Mercedes etwa ließen in den USA vor wenigen Tagen Roboterautos zur Elektronik-Messe CES nach Las Vegas fahren.

Bis der in Las Vegas und Detroit präsentierte Mercedes-Prototyp als Roboterauto mit Lounge im Interieur tatsächlich auf die Straßen kommt, dürfte es aber noch dauern. Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes geht davon aus, dass die ersten autonomen Fahrzeuge in einem Zeitraum von fünf Jahren zu sehen sein werden – "etwa im Stop-and-Go-Verkehr, um dem Fahrer die Möglichkeit zu geben, etwas anderes zu tun und die Zeit sinnvoll zu nutzen".

Porsche-Chef Matthias Müller sieht die Entwicklung etwas skeptischer: "Da entsteht im Moment ein Riesen-Hype, und da wird eine Erwartungshaltung erzeugt draußen, der niemand wird gerecht werden können." Müller erwartet, dass sich das assistierte Fahren in den nächsten Jahren schrittweise weiterentwickeln wird. Erst vielleicht in zehn Jahren werde man einmal auf der Autobahn pilotiert fahren können. "Aber die Dinge, die da jetzt propagiert werden – da fehlt mir wirklich der Glaube, dass das morgen der Fall sein wird."

Beim Zulieferer Continental hat man für den Weg zum Autopiloten drei Stufen ausgemacht. Vorstand Helmut Matschi hält es schon 2016 für realistisch, dass immer mehr Autofahrer beispielsweise im Stau Technologien für ein schrittweises Hinterherfahren nutzen. Von 2020 an müssen Autofahrer demnach auf monotonen Strecken wie der Autobahn nicht mehr permanent Herr der Lage sein – und könnten etwa für kürzere Zeit im Internet surfen, E-Mails sichten oder per Videotelefonat den Kindern daheim Hallo sagen.

Die Vollautomatisierung des Autobahnverkehrs sei dann von 2025 an realistisch, sagte Matschi in Detroit. Die Autopiloten-Autos könnten dann nach Conti-Einschätzung bis Tempo 130 Situationen wie Überholen, Brems- oder Ausweichmanöver meistern. Jederzeit in Sekundenschnelle eingreifen zu können, wäre dann nicht mehr nötig.

Beim Elektroauto-Pionier Tesla kommt das automatisierte Fahren in kleinen Etappen, sagte Vertriebschef Jerome Guillen. Bei seinem Model S werden bereits Funktionen wie Spurhalte-Assistenten oder ein System zur TempoĂĽberwachung ĂĽber ein Software-Update freigeschaltet.

Forschungsfahrzeug fĂĽr autonomes Fahren Mercedes F 015 (7 Bilder)

Kommunikation mit Fußgängern

Ein mittlaufender blauer Lichtbalken an der Front signalisiert, dass das autonom fahrende Auto den Fußgänger erkannt hat. Der darf jetzt sicher sein, nicht überfahren zu werden.
(Bild: Mercedes-Benz)

(anw)