Gates als "Good Guy" in TV-Spots

Microsoft versucht durch massive Werbekampagnen den durch den Schuldspruch im Kartellprozess verursachten Imageschaden zu begrenzen.

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Von
  • Christian Rabanus

Zwar hatte Bill Gates unmittelbar nach der Bekanntgabe des Urteils im Kartellprozess gegen Microsoft angekĂĽndigt, ungeachtet des Schuldspruchs die Entwicklung neuer Produkte vorantreiben zu wollen, doch bislang dĂĽrfte er dazu wenig Zeit gehabt haben: In den vergangenen Tagen traf sich der Microsoft-GrĂĽnder erst einmal mit Politikern verschiedenster Couleur und sammelte Stimmen zum Prozess. Doch umwirbt Gates nicht nur die hohe Politik: Seit gestern sind auch groĂźformatige Anzeigen in Zeitungen geschaltet und ĂĽber amerikanische Fernsehschirme flimmert ein neuer Werbe-Spot von Microsoft. Hauptdarsteller ist kein Geringerer als Bill Gates.

In dem Spot philosophiert Gates über Vergangenheit und Zukunft seines Konzerns. "25 Jahre ist es jetzt her, da fingen meine Freunde und ich mit nichts außer einer Idee an – dass wir mit der Leistung des PCs das Leben der Menschen verbessern könnten", erzählt er. Er fährt fort: "Das Ziel von Microsoft ist die Entwicklung der nächsten Softwaregeneration, um die Innovation voranzutreiben und das zu verbessern, was wir für Sie tun können." Über den Kartellprozess – "Justizministerium gegen die Freiheit zur Innovation" titelt Microsoft auf seiner Homepage – verliert er kein Wort.

"Wir wollen unseren Kunden verdeutlichen, dass Microsofts Arbeit auf Innovation gerichtet ist", erläutert Microsoft-Vizepräsident Bob Herbold das Konzept des Spots. Es sei genug über den Kartellprozess gesprochen worden, jetzt sollten die Menschen direkt etwas über Bill Gates und Microsoft erfahren.

Von Anfang an war der Kartellprozess gegen Microsoft sehr stark auf die Person Bill Gates fokussiert. Er selbst machte in seiner Vernehmung im Sommer 1998 keine gute Figur. Der Microsoft-Gründer läuft Gefahr, in der Öffentlichkeit als Gegner von Innovation und Wettbewerb wahrgenommen zu werden und dadurch Microsoft immensen Schaden zuzufügen. Nach der Verkündung des Schuldspruchs von Richter Thomas Penfield Jackson gab es nur wenige Stimmen, die sich nicht dem Urteil des Gerichts anschlossen.

Wohl nicht zuletzt wegen des ungünstigen Prozessverlaufs räumte Gates Mitte Januar seinen Chefsessel bei Microsoft – was die Börse damals positiv aufnahm. Doch seit der Urteilsverkündung ist die Stimmung spürbar umgeschlagen: Gestern schloss das Papier 20 US-Dollar niedriger als am 31. März, das entspricht einem Verlust von fast 104 Milliarden US-Dollar in einer knappen Woche. (chr)