Hautreiz

Karosserie-Teile aus dem 3D-Drucker und eine Stoff-Außenhaut sind im Automobilbau ungewöhnlich. Die Firma Edag würde das gern ändern und zeigt auf dem Genfer Autosalon die ungewöhnliche Studie "Light Cocoon"

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Genfer Autosalon 2015
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Wiesbaden, 27. Januar 2015 – Die deutsche Firma Edag wird trotz ihrer Größe nicht jedem ein Begriff sein. Mit 25 Standorten in 11 Ländern, 7900 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt rund 675 Millionen Euro ist man nach eigener Aussage der „weltweit größte, unabhängige Entwicklungspartner der internationalen Automobilindustrie.“ Die Aufmerksamkeit seiner Kunden erreicht aber auch Edag eher mit interessanten Studien. „Light Cocoon“ will die Firma auf dem Genfer Autosalon vorstellen.

Karosserie-Teile aus dem 3D-Drucker und eine Stoff-Außenhaut sind für Edag die Zutaten für den Sportwagen der Zukunft. Bei der Struktur der Karosserie haben sich die Ingenieure von der Natur inspirieren lassen, heißt es im Begleitschreiben. „Wir verfolgen die Vision der Nachhaltigkeit, so wie es uns die Natur vor macht: leicht, effizient, ohne Verschwendung und im Ergebnis deutlich gewichtsreduziert“, sagt Chef-Designer Johannes Barckmann.

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Sieht so die Zukunft des automobilen Leichtbaus aus? Die Karosserie des Edag Light Cocoon besteht aus einer Skelett-Struktur, die mit einer textilen Außenhaut "bezogen" ist. (Bild: Edag)

Und so ist die Karosserie keine geschlossene Fläche, sondern eine verästelte Tragstruktur, die „trotz Reduktion des Materialeinsatzes die Anforderungen an strukturrelevante Bauteile erfüllt“. Material kommt nur dort zum Einsatz, wo dies für die Funktion, Sicherheit und Steifigkeit notwendig ist. Diese Fahrzeugstruktur ist „generativ“ gefertigt, das heißt: Sie stammt zum Teil aus dem 3D-Drucker.

Im Ergebnis ist eine spinnennetzartige, entkernte Struktur entstanden, die unterschiedlich stark dimensionierte Aluminiumprofile vorsieht. Die Umsetzung solcher komplexen Strukturen war „bis dato technisch nicht machbar“, preist Edag seine Studie. Diese Fertigungsart biete für die Automobilindustrie neue Möglichkeiten. Denn dadurch können komplexe Strukturen ohne Werkzeug und in einem Vorgang produziert werden. Um das Fahrzeug ins rechte Licht zu rücken, sind die Strukturen von innen mit LEDs beleuchtet, was für ein ungewohntes und futuristisch anmutendes Erscheinungsbild sorgt. Das Auto wirkt dadurch fast lebendig.

Auch für die Außenhaut stand die Natur Pate, genauer gesagt ein Blatt. Wie die Struktur eines Blattes mit einer leichten Abschlusshaut überspannt ist, besitzt das Konzeptfahrzeug eine schützende und leichte Hülle aus einem Textilmaterial. Dieses stammt von der Firma Jack Wolfskin, die sonst hauptsächlich robuste Jacken und Rucksäcke bekannt ist. „Texapore Softshell O2+“ ist ein dreilagiger Polyester-Jersey-Stoff, der extrem leicht, belastbar und wasserdicht ist, wie der Hersteller versichert. (mfz)