Post aus Japan: Roboterisierte Minimobilität

Alle Welt bestaunt selbstfahrende Autos. Aber auch das Fortkommen im Kleinen könnte von der Automatisierung profitieren.

vorlesen Druckansicht
Lesezeit: 3 Min.
Von
  • Martin Kölling

Alle Welt bestaunt selbstfahrende Autos. Aber auch das Fortkommen im Kleinen könnte von der Automatisierung profitieren.

Japan probiert mit Elektronik seit jeher alles Mögliche aus – und oft auch das Unmögliche. Jeden Donnerstag berichtet unser Autor Martin Kölling an dieser Stelle über die neuesten Trends.

Daimler-Benz hat einen neuen Medienhit gelandet: In den USA wurde gerade eine Schar von Journalisten aus aller Welt vom vollautomatisierten Konzeptauto F 015 herumkutschiert. In Japan schlüpfte das silberne Zäpfchen am Sonntag sogar in die Hauptnachrichten des öffentlich-rechtlichen TV-Senders NHK. Doch bei aller Begeisterung für das Roboterauto wird übersehen, dass die Automatisierung auch vor der höchstpersönlichen Kurzstreckenmobilität nicht Halt machen wird.

Eine pfiffige Idee präsentierte jüngst das Chiba Institute of Technology. Gemeinsam mit dem Aisin Seiki, einem Autozulieferer aus dem Toyota-Universum, haben die Akademiker einen Rollstuhl-, Roller- und Sackkarrenhybriden für Alt und Jung entwickelt. Der Verwandlungskünstler heißt "ILY-A" und verfügt über drei Räder, einen schwenkbaren Lenker, einen ausklappbaren Sattel und jede Menge IT.

Schwenkt der Fahrer den Lenker nach vorne und klappt den Sattel aus, wird das Vehikel zum elektrischen Rollstuhl. Der Antrieb sitzt in den größeren Vorderrädern. Klappt man den Sattel nach unten und stellt den Lenker steiler, kann man das Gerät als hochsicheren Roller benutzen. Denn dank Abstandssensoren erkennt das Gefährt Hindernisse und bremst automatisch.

Zusätzlich gibt es zwei weitere Fortbewegungsmodi. Der erste, Typ Sackkarre, erfordert, dass der Fahrer sich "vor" das Gefährt stellt. Nun kann er oder sie das Vehikel schieben, während sich die Steh- in eine Ladefläche verwandelt. Und zu guter Letzt lässt sich ILY-A auch noch zusammenfalten und wie ein Koffer hinter sich herziehen.

Das Konzept ist nicht nur sehr praktisch, sondern spiegelt auch eine andere japanische Stärke wieder: das "Universal Design". Bei dieser Gestaltungsidee geht es darum, Geräte so zu entwerfen, dass sie von einer möglichst großen Zahl von Leuten aller Alters- und Fähigkeitsstufen leicht bedient oder genutzt werden können.

Waschmaschinen haben daher Bedienelemente, die schwarze Schrift auf gelben Untergrund zeigen. Denn dies ist er beste Kontrast fĂĽr Farbenblinde. Der Rollerhybrid wiederum soll mit ausgeklappten Sattel nicht nur fuĂźlahme Alte mobiler machen.

Die Entwickler hoffen auch darauf, dass der Rollermodus jüngere Semester begeistert. Noch ist das ganze nur eine Idee. Aber Aisin Seiki liebäugelt damit, ILY-A um 2020 auf den Markt zu bringen. Bis dahin soll das Gerät von 40 auf 10 bis 15 Kilogramm abgespeckt werden. Merke: Bei Kleinstmobilen dauert die Einführung von Fahrassistenten länger als bei Automobilen. Aber sie kommt. ()