Bertelsmann füllt Kriegskasse für Akquisitionen auf

Der Bertelsmann-Konzern hat seinen Umsatz auf 32 Milliarden Mark kräftig gesteigert.

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Von
  • Jürgen Kuri

Der Bertelsmann-Konzern hat seinen Umsatz auf 32 Milliarden Mark kräftig gesteigert. Ohne den Anstieg durch die volle Eingliederung der CLT-UFA stieg der Umsatz im am 30. Juni ablaufenden Geschäftsjahr 1999/2000 um gut zehn Prozent oder drei Milliarden Mark. Die Konsolidierung der CLT-UFA mache etwa noch einmal so viel aus, sagte Bertelsmann-Sprecher Manfred Harnischfeger am heutigen Sonntag. Auch das Betriebsergebnis sei kräftig gestiegen. Näheres will der Konzern allerdings erst auf seiner Bilanzpressekonferenz bekannt geben.

Bertelsmann betonte, im abgelaufenen Geschäftsjahr keine Großakquisition getätigt zu haben. Durch den Verkauf der Anteile an AOL Europe stünden etwa 15 Milliarden Mark (7,7 Milliarden Euro) für strategische Investitionen zur Verfügung. Insgesamt sei die Kriegskasse auch aus anderen Verkäufen mit 22 Milliarden Mark gefüllt, erläuterte Harnischfeger. "Mit Sicherheit werden wir dieses Geld brauchen", sagte er.

Bertelsmann beschäftigt nach eigenen Angaben rund 73.000 Mitarbeiter in mehr als 300 Einzelfirmen in 54 Ländern. Nach eigenen Angaben steht der Konzern unter den Mediengiganten auf Platz 3. An der Spitze liegt, immer vorausgesetzt, die Fusion klappt ohne Einsprüche durch die Kartellwächter in Europa und den USA, AOL Time Warner mit 31,6 Milliarden US-Dollar Umsatz, gefolgt von CBS Viacom mit 20,2 Milliarden US-Dollar. Nach Bertelsmann als Drittem folgt Disney (17,4 Milliarden US-Dollar Umsatz der Mediensparte). An fünfter Stelle liegt die neue Vivendi Universal, die aus der Fusion des französischen Mischkonzerns Vivendi mit der kanadischen Seagram-Gruppe entstehen soll, mit 13,9 Milliarden US-Dollar Umsatz im Medienbereich.

Die Rangliste ändert sich allerdings schlagartig, wenn man bei den Konzernen nicht nur den Medienbereich zählt: So kommt beispielsweise Vivendi Universal, die Telekommunikationsbereiche und andere Sparten des Giganten eingerechnet, weltweit auf rund 65 Milliarden US-Dollar Umsatz. Die Rangliste illustriert ein Problem Bertelsmanns, das man offensichtlich durch weitere Zukäufe und Kooperationen mittels massiven Kapitaleinsatzes beheben will. Der Konzern betont immer wieder, Internet-Zugänge und Online-Dienste gehörten nicht zum Kerngeschäft, dafür wolle man beim E-Commerce und den Mediendiensten über das Internet die Nummer 1 weltweit werden. Will Bertelsmann in der großen weiten Welt des Internet aber nicht nur ein Anbieter unter vielen sein, ist die Firma aber immer auf andere Unternehmen angewiesen, die die eigenen Inhalte auch direkt und exklusiv den Kunden zuliefern – so, wie es AOL mit Time Warner und Vivendi mit Seagram über die eigenen Netze und Internet-Zugänge vorhaben. Nach der Trennung von AOL Europe konnte Bertelsmann zwar eine "strategische Partnerschaft" mit AOL zur Lieferung von Content eingehen – ob diese aber lange hält, wenn die Fusion mit Time Warner im Herbst über die Bühne gegangen ist, muss sich erst noch herausstellen. Und mit Vivendi/Seagram entsteht ein neuer, ernst zu nehmender Konkurrent – da wirkt die Kooperation mit der spanischen Telefonica, nachdem deren Internet-Tochter Terra den Internet-Anbieter Lycos übernommen hat, mehr wie ein Tropfen auf den heißen Stein. (jk)