Schreckliche Statistik
Über 40.000 Menschen sterben Jahr für Jahr in den USA im Straßenverkehr. Wo ist das Ministerium für Verkehrsschutz? Wo Zwangssicherheitsmaßnahmen für jedes Fahrzeug?
Ich habe kürzlich eine erstaunliche Zahl gelesen. Sie lautet 43.443 und entspricht der Anzahl der Verkehrstoten, die es 2005, dem letzten erfassten Zeitraum, in den Vereinigten Staaten gegeben hat. (In Deutschland lag der Wert in jenem Jahr bei noch immer furchtbaren 5361.)
Die Zahl hat mich doch ziemlich geschockt - und noch krasser erscheint mir, dass sie furchtbar konstant ist. Seit über 10 Jahren sterben in den USA trotz aller Beteuerungen der Automobilindustrie, Fahrzeuge sicherer zu machen, Jahr für Jahr über 40.000 Menschen. Das heißt, dass seit 1995 mehr als 400.000 Autofahrer, Motorradfahrer, Fahrradfahrer und Fußgänger auf amerikanischen Straßen ums Leben kamen - verschuldet wie unverschuldet. Jedes Jahr stirbt eine ganze Kleinstadt, alle zehn Jahre eine mittelgroße Metropole.
Das ist ein Wert, der uns eigentlich eine Perspektive vermitteln müsste für die Gefahren, die uns im Alltag tatsächlich bedrohen. Um es einmal politisch zu formulieren: Wenn eine Regierung wie die der USA ihrer Bevölkerung immer wieder Angst davor macht, dass schlimme Terroranschläge drohen und man deswegen Krieg führen und die Bürgerrechte immer weiter beschneiden muss, ist das angesichts einer solchen Verkehrsstatistik geradezu irreal. Und zwar schon rein mathematisch. Aber einen "Krieg gegen den Verkehrstod" gibt es eben nicht. Fehlt die Symbolkraft? Der Angstmacher? Sieht der Todbringer Auto zu harmlos aus?
Hinzu kommt: Laut US-Regierung starben 2004 gut 39 Prozent aller Verkehrsopfer bei Unfällen, die mit Alkohol am Steuer zu tun hatten. Die technischen Mittel, so etwas zu verhindern, existieren längst. Warum nicht alle Fahrzeuge mit einer Prüfeinheit versehen, die alkoholisiertes Fahren verhindert? Wenn jeden Tag über 100 Menschen sterben? Ich finde, dass es längst Zeit ist, endlich den technischen Innovationsgeist in Detroit und anderswo loszulassen.
Verbindet alle Fahrzeuge meinetwegen zwangsmäßig mit Satellitennavigationssystemen, um einen Sicherheitsabstand einzuhalten. Macht Motoren intelligent, so dass sie das Auto automatisch herunter drosseln, wenn es an einem Temposchild vorbei rast. Baut statt immer mehr PS vernünftige Sicherheitszellen ein, die die Wahrscheinlichkeit, auch bei schweren Unfällen zu sterben, wesentlich absenken. Sorgt endlich dafür, dass Fußgänger von Fahrzeugen nicht mehr so leicht getötet werden können.
Wenn man eine solche Todesstatistik liest, kann man schon mal zum Sicherheitsfanatiker werden. Denn das sind beendete Leben, die sich vermeiden ließen - mit einer wesentlich größeren Wahrscheinlichkeit als Terroranschläge. Die dagegen schlicht verblassen, so kaltschnäuzig das auch klingen mag. (wst)