Bequemer rasen
Obwohl weitgehend technisch identisch mit dem Lamborghini Gallardo, wurde der Audi R8 bisweilen als weichgespĂĽlt verspottet. Doch bedeutet "straff" nicht "sportlich": Die Neuauflage teilt sich die technische Basis nun mit dem Lamborghini Huracan und bietet trotz seines schnellen Fahrwerks hohen Fahrkomfort
- Wolfgang Gomoll
Faro, 10. Juli 2015 – Der neue R8 ist ein Sportwagen einer aussterbenden Art, denn die Zeit der mächtigen Sauger, die bei jeder Bewegung des Gaspedals lustvoll losjubeln und die Lust am Verdichten, Verbrennen und freien Atmen zelebrieren, neigt sich unweigerlich dem Ende zu. Man darf den Entscheidern bei Audi daher dankbar sein, so viel unverfälschten Genuss auch in der neuen Generation ihres Sportwagens R8 zugelassen zu haben.
Da ist es übrigens egal, ob man im Basis-R8-V10 mit nur 397 kW / 540 PS sitzt oder in der schärferen Variante mit 449 kW / 610 PS. In nur 3,5 Sekunden ist schon im "normalen" R8 aus dem Stand die 100-km/h-Marke erreicht und die Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h kennt auch nur wenige Gegner. Dabei überraschen die schnellen und doch harmonischen Gangwechsel des Siebengang-Doppelkupplungsgetriebes. Der Durchschnittsverbrauch von 13,1 Litern pro 100 Kilometer bei den ersten Testfahrten sind 1,7 Liter mehr als angegeben, aber immer noch im Rahmen.
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Schnell wie der wilde Huracan
Vor allem wenn man den Dynamik-Modus mit dem Performance-Knopf unten am Lenkrad würzt, halten sich die Assistenzsysteme weitgehend zurück und man kann mit dem Audi R8 richtig Spaß haben. Erst wenn das im Hintergrund präsente ESP erkennt, dass der Fahrer zu weit geht, greifen die Fahrdynamikregelungen gezielt ein. Doch der Spielraum ist gigantisch. Lässige Drifts und das Carven am Grenzbereich lassen nicht nur erfahrene Kurvenjäger frohlocken. Da zeigen sich auch die Vorteile des neuen, heckbetont ausgelegten Allradantriebs, der mit einer Lamellenkupplung das Drehmoment je nach Bedarf zwischen vorn und hinten verschieben kann. Dank einer Differenzialsperre hinten unterstützt durch Bremseingriffe an einzelnen Rädern lenkt der R8 fast gierig ein. Beim Herausbeschleunigen aus den Kurven geht das Drehmoment nach vorne und die Vorderachse zieht den mindestens 1595 Kilogramm schweren Audi wie auf Schienen aus der Kurve heraus. Dabei bedienen sich die Audi-Ingenieure des technischen Kniffs, die Räder der Vorderachse etwas schneller drehen zu lassen, wenn sie angetrieben werden.
Durch diese gelungene Abstimmung lässt sich der R8 fast mit spielerischer Leichtigkeit schnell bewegen und steht in der Agilität seinem wilden Bruder Huracan in nichts nach. Doch ebenso beeindruckend ist die Alltagstauglichkeit. Damit ist nicht der Kofferraum gemeint, der gerade mal 112 Liter fasst, sondern der Federungskomfort.