"Schock, Horror": Uber verbrennt viel Geld
Das US-Magazin Gawker hat interne Bilanzen des umstrittenen US-Startups Uber veröffentlicht. Das Unternehmen schreibt tiefrote Zahlen, versucht das Ganze aber herunterzuspielen.
Ist nicht schĂĽchtern, schreibt aber rote Zahlen: Uber-CEO Travis Kalanick.
(Bild: dpa, Will Olivier)
Das umstrittene US-Startup Uber spricht nicht gern über Geld. Wenn, dann muss es in die Story passen: “Wir verdoppeln unseren Umsatz alle sechs Monate”, sagte CEO Travis Kalanick im vergangenen Sommer dem Wall Street Journal. Damals war das nicht mal übertrieben, wie aus internen Dokumenten hervorgeht, die das US-Magazin Gawker gesehen hat. Doch die Zahlen, die Uber nicht in Zweifel zieht, zeigen auch: Uber verbrennt verdammt viel Geld.
Millionen Miese
(Bild:Â Gawker )
Die von Gawker veröffentlichen Zahlen betreffen die Jahre 2012 und 2013 sowie das erste Halbjahr 2014. Demnach wächst der Umsatz des 2009 gegründeten Unternehmens tatsächlich stark: Von 1,4 Millionen US-Dollar im ersten Quartal 2012 auf knapp 13 Millionen ein Jahr später und schließlich 45 Millionen im ersten Quartal 2014. Doch im gleichen Zeitraum sind auch die Kosten massiv gestiegen – und damit die Verluste: Für das zweite Quartal 2014 steht ein Verlust von 109 Millionen US-Dollar in der Bilanz.
Jüngere Zahlen gibt es nicht. Im vergangenen Jahr soll das Unternehmen insgesamt rund 400 Millionen US-Dollar Umsatz erzielt haben, für das laufende Jahr soll den Investoren ein Umsatz von zwei Milliarden in Aussicht gestellt worden sein. Bei diesen im Wall Street Journal von Insidern zitierten Zahlen ist nicht klar, ob es sich um den Gesamtumsatz aller über Uber abgerechneten Fahrten handelt oder “Net Revenue”, der nach Abzug des Fahreranteils bei Uber verbleibt.
Hoffnung Börsengang
Die Investoren werden die genauen Zahlen kennen, und sie halten dem Startup weiterhin den Rücken frei. Erst kürzlich hat Uber eine weitere Milliarde Kapital eingesammelt und ist jetzt angeblich 50 Milliarden wert. Die Investoren lieben die Wachstums-Story und die aggressive Expansion des US-Startups, das sich überall auf der Welt mit dem Taxi-Gewerbe und anderen Autoritäten anlegt. Sie setzen auf einen Börsengang, der die Investition schlagartig vergolden könnte. Ob das Geschäftsmodell langfristig trägt ist zweitrangig.
Tatsächlich sagen die von Gawker veröffentlichten Zahlen nicht viel darüber aus, wie gesund das Geschäftsmodell von Uber ist. Dafür müsste man mehr über die Kostenstruktur wissen. Die internationale Expansion und das intensive politische Lobbying auf allen Märkten dürften viel Geld verschlingen. Das wären Anlaufkosten, die nicht ewig anfallen. Interessant wäre zum Beispiel, wie profitabel Uber auf älteren Kernmärkten in den USA operiert. Aber über solche Details redet Uber nicht gerne öffentlich.
“Schock, Horror”
Das Unternehmen versucht, die Veröffentlichung von Gawker herunterzuspielen. “Schock, Horror, Uber macht Verluste”, heißt es in einer Stellungnahme. “Das ist schwerlich eine Nachricht”. Das sei doch simples Wirtschafts-Einmaleins: “Du sammelst Geld ein, du investierst Geld, du wächst (hoffentlich), du machst Gewinn und davon profitieren die Investoren”. Nur macht Uber eben noch keinen Gewinn, wie Gawker betont: “Wirtschafts-Einmaleins, ihr Dumpfbacken: Ihr verliert hundert Millionen in einem Quartal.”
Das kann Uber noch eine Weile durchhalten. Die Dokumente weisen für das zweite Quartal 2014 eine Cash-Reserve von über einer Milliarde aus. Allerdings sind 100 Millionen Miese kein Pappenstiel. Und Uber stößt bei seinem globalen Feldzug – es gibt Uber-Dienste in 323 Städten in 58 Ländern – auf wachsenden Widerstand: In Deutschland hat das Establishment aus Taxigewerbe und Behörden Ubers ersten Angriff abgewehrt. In Frankreich brennen Barrikaden. Auch in den Riesenländern China und Indien, wo Uber viel Geld in die Hand nehmen will, gibt es Ärger mit Behörden. (vbr)