Dicker Brummer

Bei vielen Motorradfans löst allein der Name Moto Guzzi schon Glücksgefühle aus. Der älteste Motorrad-Hersteller Europas baut Klassiker, denen man schon im Stand die authentischen Wurzeln ansieht. Die neue Eldorado macht hier keine Ausnahme

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Zweirad
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Mandello del Lario/Italien, 14. August 2015 – Bei vielen Motorradfans löst allein der Name Moto Guzzi schon Glücksgefühle aus. Der älteste Motorradhersteller Europas baut am Ufer des Comer Sees klassische Motorräder, denen man ihre authentischen Wurzeln ansieht. Ein Beispiel dafür ist die neue Eldorado, das dritte Modell der aktuellen California 1400-Baureihe. Die Geschichte der California reicht bis in die Siebziger Jahre zurück, als Moto Guzzi die Polizei von Los Angeles mit Motorrädern ausstattete und deren mit viel Touren-Zubehör versehene Straßenableger "California" nannte. Eine abgespeckte Version bot Moto Guzzi damals in den USA unter dem Namen Eldorado an.

Die heutige Version bietet mit Weißwandreifen, klassischen Speichenrädern, viel Chrom und mächtigen, geschwungenen Kotflügeln eine geradezu opulente Optik. Zusammen mit der breiten, sehr tief platzierten Sitzbank in 74 Zentimetern Höhe hinter dem geschwungenen Geweih-Lenker erinnert das Gebotene an die Harley-Heritage-Modelle, nur der moderne Scheinwerfer passt nicht in diese Schublade.

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Weißwandreifen, Speichenräder und massig Chromelemente: Die neue Moto Guzzi Eldorado kommt schon im Neuzustand wie ein Klassiker daher. (Bild: Moto Guzzi )

Dass die Eldorado kein Ami-Eisen ist, macht sie aber schon aus der Ferne klar: Nur bei Moto Guzzi findet man diese imposante Silhouette mit dem mächtigen, längs eingebauten Vau-Zwo-Motor, der seine Zylinder links und rechts im rechten Winkel in den Fahrtwind streckt. In der Eldorado werkelt der gleiche 90-Grad-Vau mit 1388 Kubikzentimetern Hubraum wie in den anderen Californias, mithin der größte Motor, den die Italiener jemals gebaut haben. Zur Vibrationsminimierung ist das Riesentrumm elastisch im Rahmen aufgehängt. Tatsächlich pulsiert der Twin im Stand noch deutlich, während der Fahrt bleibt davon nur noch wenig übrig. Aus dem großen Hubraum schöpft die Guzzi maximal 71 kW/96 PS und ein sehr ordentliches Drehmoment von maximal 120 Nm, dass bereits bei 2750/min anliegt.

Die typisch drehmomentstarke Auslegung erlaubt sogar das Anfahren mit Standgas, darüber sorgt die lineare Leistungsentfaltung für eine gute Beherrschbarkeit über das gesamte Drehzahlband. Mit ihrem druckfreudigen Antritt aus jedem Drehzahlbereich macht die Eldorado alles mit: Flott aus den Kehren herausbeschleunigen, ausdrehen und hochschalten oder einfach im großen Gang dahin gleiten. Dank Ride-by-wire sind ein Tempomat und drei Fahrmodi an Bord, die während der Fahrt den Motorcharakter und die Leistungsentfaltung beeinflussen: "Turismo" steht für genussvolles Reisen, bei "Veloce" geht's sportlicher zu, und "Pioggia" steht für "Regen"; hier setzt die gekappte Leistung sehr sanft ein.