Türstopper gegen Dellen
Ein Schülerteam aus Köln hat ein Bremssystem für Fahrzeugtüren entwickelt, mit dem sich Kratzer auf dem Parkplatz vermeiden lassen.
Ein Schülerteam aus Köln hat ein Bremssystem für Fahrzeugtüren entwickelt, mit dem sich Kratzer auf dem Parkplatz vermeiden lassen.
Die meisten Autofahrer kennen das Problem: Beim Aussteigen in engen Parkbuchten oder auf Parkplätzen übersieht man gerne Poller, Schilder, Telefonkästen oder gar andere Fahrzeuge. Und so hat man sich schnell teure Kratzer oder Dellen an der eigenen Autotür eingefangen – von der eventuell eintretenden Schadenersatzverpflichtung gegenüber Dritten ganz abgesehen.
(Bild: g Craig Murphy / Flickr / cc-by-2.0)
Der Heiligenhauser Autozulieferer Kiekert will nun ein System auf den Markt bringen, das solche Unfälle vermeiden hilft. Autofahrer sollen beim Öffnen der Türen erst gar nicht mehr anschlagen können, weil das Fahrzeug sie vorher warnt. Die Technik kombiniert dazu Annäherungssensoren für das Fahrzeugumfeld links und rechts mit einer schnell zupackenden elektromechanischen Türbremse (Türfeststeller).
Der Stoppmechanismus setzt laut Kiekert am Fangband der Autotür an und kann sie noch vor einem potenziellen Zusammenstoß rechtzeitig zum Halten bringen – selbst wenn nur wenig Platz vorhanden ist, wie es sich auf engen Parkplätzen oft darstellt.
(Bild: Kiekert)
Der Einfall stammt nicht etwa von den Forschern des Autozulieferers, der auf Schlösser, Sensoren und Komfortsysteme spezialisiert und laut eigenen Angaben Marktführer bei Schließsystemen ist. Stattdessen wurde das "Intelligent Door System", kurz IDS, im Rahmen eines Schülerprojekts von Kölner Gymnasiasten ausgetüftelt.
Vincent Gramlich (15), Marisa Jain (17), Laura Krieglstein (16), Severin Luhr (17) und Leona Schultz (17) von der Erzbischöflichen Liebfrauenschule nahmen mit der Idee beim Schülerwettbewerb "business@school" der Beratungsfirma Boston Consulting Group teil, den sie damit auch prompt gewannen. Die Consulter holen sich jedes Jahr bis zu 2000 Schüler ins Haus, um mit ihnen neue Geschäftsideen zu entwickeln.
(Bild: Kiekert)
Kiekert half bei der Patentierung der Türstoppers und will das Verfahren, das im Markt auf den Namen "i-protect" hören soll, kurzfristig ("zeitnah") kommerzialisieren. Was die Technik kosten wird und welche Automarken sie als erstes anbieten werden, ist noch unklar – Kiekert beliefert zahlreiche Hersteller, darunter Ford, BMW, Ferrari, GM, Audi, Fiat, Mercedes, Seat, Volvo, Nissan, Mazda, Renault, VW oder Citroen. Denkbar ist auch, bereits im Fahrzeug vorhandene Sensoren mitzuverwenden, die sonst helfen, seitlich ankommende Verkehre beim Überholen zu erkennen. Das würde den Einbau deutlich verbilligen.
"Der Blick über den Tellerrand hat sich einmal mehr ausgezahlt, um Innovationschancen zu ergreifen und zu fördern", meint der Kiekert-Vorstandsvorsitzende Karl Krause, der in Wettbewerben wie "business@school" auch ein Trendscouting für neue Technologien sieht. Der Konzern arbeitet sonst auch mit Universitäten zusammen, darunter die Hochschule Bochum in Deutschland, die Yichun University in China, die Kettering University in den USA und das Instituto Tecnologico de Monterrey in Mexiko. (bsc)