Berührungslos verbunden
Anders als beim induktiven Laden während der Fahrt oder Einzellösungen für den ÖPNV ist es sehr wahrscheinlich, dass der Verzicht aufs Ladekabel im Auto bald die Regel wird. Es geht wie so oft um Convenience, und Komfort und Einfachheit
- Christoph M. Schwarzer
Hamburg, 1. September 2015 – Acht Sekunden. So lange dauert der Ladevorgang eines Batterie-elektrischen Autos oder Plug-In-Hybriden. Zumindest in der Berechnung von Fans: Abends einstöpseln. Vier Sekunden. Schlafen legen. Morgens den Stecker ziehen. Wieder vier Sekunden. Wer einen Staubsauger bedienen kann, ist auch dazu in der Lage. Warum aber arbeiten so viele Hersteller dann am induktiven Laden? Auf der IAA in Frankfurt werden etliche Studien zu sehen sein. Und es gilt als sicher, dass spätestens 2017 die ersten Fahrzeuge in den Handel kommen, welche die berührungslose Stromübertragung zumindest als Option anbieten. Wozu bitte soll das gut sein, wenn es doch schon jetzt so simpel ist?
Selbstständig
Das erste wichtige Argument: Convenience. Dieser englische Begriff beinhaltet sowohl den Komfort als auch die Einfachheit. Was aus Sicht eingefleischter E-Mobilisten ein lächerlicher Handgriff ist, könnte die Akzeptanz beim Nutzer erhöhen. Sich um nichts kümmern müssen, wenn man in die heimische Garage fährt. Nie mehr Tankstelle: Das Auto wird über die Grundplatte gefahren, wo es sich von selbst exakt ausrichtet, und das Laden startet automatisch.
Berührungslos verbunden (10 Bilder)

Denn darum geht es vorwiegend: ums nächtliche Laden zu Hause mit Wechselstrom. Unterwegs, das zeichnet sich ab, werden Gleichstrom-Schnellladesäulen mit hohen und höchsten Leistungen dazu führen, dass die Fahrt nach einer möglichst kurzen Zwangspause fortgesetzt werden kann. Dort, wo es auf die Zeit weniger ankommt, ist das induktive Laden der Ersatz fürs konduktive mit Kabel.
Das Grundprinzip des Wireless Electric Vehicle Charging (WEVC) ist alt und dem Normalbürger zum Beispiel von Zahnbürsten bekannt. Eine Primärspule auf dem Boden plus eine Sekundärspule unten am Auto, mehr ist scheinbar nicht nötig. Um einen Luftspalt von zwölf bis 15 Zentimetern mit möglichst geringen Verlusten zu überwinden, arbeiten die Entwickler mit Hochfrequenztechnik. Mal sind es 40, mal bis zu 150 Kilohertz, mit denen experimentiert wird. Das Ergebnis ist ein Wirkungsgrad von rund 90 Prozent, was nur zwei bis vier Prozentpunkte weniger als beim kabelgebundenen Laden sind. Das ist mehr als nichts, aber vernachlässigbar.