Selbstfahrender Golfwagen soll Google schlagen

Das Start-up Auro will noch vor dem Internetriesen autonome Fahrzeuge bauen, die in Freizeitparks, Hotelanlagen oder Altenwohnsiedlungen unterwegs sein sollen.

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  • Tom Simonite

Das Start-up Auro will noch vor dem Internetriesen autonome Fahrzeuge bauen, die in Freizeitparks, Hotelanlagen oder Altenwohnsiedlungen unterwegs sein sollen.

Wer das kalifornische Mountain View besucht, trifft über kurz oder lang auf eines von Googles selbstfahrenden Autos, die der Onlineriese gerade testet. Schaut man auf dem Campus der Santa Clara University vorbei, die nur ein paar Meilen entfernt liegt, kann man einen autonomen Golfwagen sehen – und der soll Transportsysteme noch deutlich früher revolutionieren als Google. Das sagt zumindest Nalin Gupta von der Firma Auro Robotics.

Google und die Autokonzerne wollen ihre Roboterautos möglichst bald auf reguläre Straßen bringen. Gupta ist da etwas zurückhaltender: Auro Robotics möchte seinen selbstfahrenden Golfwagen zunächst nur auf Privatgelände schicken, wo er dann die Menschen chauffieren soll – in Freizeitparks, Altenwohnsiedlungen oder eben auf Universitätsgeländen beispielsweise.

"Wir sind näher dran an der Kommerzialisierung", sagt Gupta. Seine Fahrzeuge seien technologisch wesentlich einfacher zu realisieren. Wie die Google-Autos benötigt ein Auro-Vehikel zwar eine detaillierte 3D-Karte der Umgebung, in dem es unterwegs ist. Doch das Sammeln dieser Daten auf Privatgeländen ist leichter – auch die regelmäßig notwendigen Aktualisierungen. Ein Uni-Campus ist auch weniger komplex aufgebaut als reguläres Straßenland. Die Fahrzeuge sind mit geringerer Geschwindigkeit unterwegs. Und auch zu Unfällen und gefährlichen Situationen dürfte es seltener kommen.

Organisationen wie Universitäten oder Freizeitparks dürfen autonome Fahrzeuge zudem in den USA ohne weitere Genehmigung verwenden. Obwohl US-Bundesstaaten wie Kalifornien oder Nevada bereits Gesetze erlassen haben, die das Testen selbstfahrender Autos auf öffentlichen Straßen erlauben, ist doch unter anderem die Versicherungssituation ein echtes Problem.

Das aktuelle Prototypmodell von Auro ist ein regulärer Golfwagen, der zusätzlich mit Laserscannern, Radar, Kameras, GPS, Computern und anderen Komponenten ausgestattet ist, um sich selbst zu steuern. An der Santa Clara University ist er bereits im Testbetrieb unterwegs. Verträge mit weiteren Hochschulen sind bereits unterzeichnet, ebenso interessieren sich Altenwohnsiedlungen und eine Hotelanlage im Silicon Valley für die Technik.

Auro ist ein Spinoff eines Robotikprojekts am Indian Institute of Technology Kharagpur und wurde von Gupta, Jit Ray Chowdhury und Srinivas Reddy gegründet. Die Firma war Teil des renommierten Inkubatorprogramms YCombinator in Mountain View. Eine spätere Generation der Technik soll zu autonomen Shuttlefahrzeugen führen, die ganz ohne Lenkrad und andere Eingriffsmöglichkeiten für den Menschen auskommen.

Gupta meint, dass die monatlichen Kosten für die Miete eines seiner Fahrzeuge deutlich billiger würden als die Anschaffung konventioneller Vehikel samt Fahrer. Zudem könnten solche Shuttles auch alte Menschen nutzen, die selbst nicht mehr ans Steuer können – und in Freizeitparks behinderte Personen problemloser befördern. Die Auro-Software erlaubt dem Fahrzeug, feste Routen abzufahren. Alternativ können Nutzer einen Wagen auch per Smartphone-App "bestellen".

Denkbar ist aber auch, dass die Technik eines Tages im öffentlichen Straßenland eingesetzt wird – sofern Auro genügend Investitionsmittel zur Umsetzung erhält. Die Fahrzeuge müssen genauso mit Gefahrensituationen umgehen können wie die autonomen Google-Vehikel. Dazu wird beispielsweise daran gearbeitet, einen Spaziergänger samt Hund zu detektieren – und vorherzusagen, wohin sich diese bewegen. (bsc)