Hintergrund: Euro-Schwäche vermiest Bilanzen der PC-Branche

Die Euro-Schwäche stellt sich als Nachteil für Halbleiter-Hersteller und Computer-Bauer mit einem hohen Marktanteil in Europa heraus.

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Von
  • Christian Rabanus

Als Intel vor etwa zwei Wochen mit seiner Gewinnwarnung die heile Welt der Chip-Hersteller und Computer-Bauer erschütterte, deutete sich schon an, dass nicht nur Intel mit zurückgehenden Umsätzen zu kämpfen hat. Die harsche Reaktion der Anleger, die nicht nur Intel, sondern vorsichtshalber auch gleich verwandte Technik-Werte wie Dell oder Microsoft verkauften, zeigte vor allem die Unsicherheit der Investoren.

Unsichere Investoren und nervöse Abverkäufe nach Gewinnwarnungen sind freilich nichts Neues; neu ist allerdings, dass Europa auf einmal in der globalen Hightech-Wirtschaft eine so bedeutende Rolle spielt. Der schwache Euro, der in den Euro-Raum importierte Ware sehr teuer werden lässt, wirkt sich mittlerweile deutlich auf die US-Wirtschaft aus. So begründete Intel beispielsweise die Notwendigkeit einer Korrektur der Geschäftserwartungen in erster Linie mit zurückgegangenen Umsätzen in Europa – und die führt das Unternehmen auf den schwachen Euro zurück.

Die durch den Abwärtstrend nach Intels Gewinnwarnung in Mitleidenschaft gezogenen Unternehmen beeilten sich natürlich zu betonen, dass ihnen Gleiches nicht bevor stünde. Nicht nur die PC-Hersteller, sondern auch Halbleiter- und Elektronik-Unternehmen erklärten, dass sie ihre Geschäftsziele erreichen würden.

Dell-Chef Michael Dell, dessen Unternehmen zu den weltweit größten PC-Hersteller gehört, hob am 22. September in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters noch hervor, dass sein Unternehmen die Einschätzung des Marktes seit Abschluss des zweiten Geschäftsquartals nicht geändert habe. Er erwartete sogar in Europa – auf den alten Kontinent entfallen rund 20 Prozent des Dell-Gesamtumsatzes – trotz des schwachen Euro ein Umsatzplus. "Das ganze Euro-Thema ist natürlich ein Thema für Unternehmen, die in Europa verkaufen, aber wir wachsen schneller als der Markt in Europa. Wir gewinnen zusätzliche Marktanteile", sagte Dell.

Gut eine Woche später musste Dell allerdings einräumen, dass das Geschäft in Europa und auch weltweit doch nicht so gut lief wie erwartet. Zwar wolle man das Gewinnziel erreichen, der Umsatz bleibe aber hinter den Erwartungen zurück. Im vierten Geschäftsquartal werde man wohl auch das Gewinnziel nicht erreichen können. Nach den Kursverlusten der letzten Tage drückten diese Nachrichten Dells Kurs noch einmal deutlich nach unten.

Der Nasdaq-Computer-Index ist zwischen dem 21. September, als Intel seine Gewinnwarnung veröffentlichte, und dem 4. Oktober, dem Tag der Umsatzwarnung Dells, um knapp 300 Punkte gefallen und liegt derzeit bei gut 2000 Punkten. Zu dem Absturz hat natürlich auch der Einbruch Apples nach seiner Gewinnwarnung ordentlich beigetragen. Während sich der Kurs von Compaq, dessen Aktien an der New Yoker Börse gehandelt werden, in den letzten beiden Wochen einigermaßen auf gleichem Niveau halten konnten, rutschte Gateway – ebenfalls an der New Yorker Börse gehandelt – um rund 16 Prozent ab.

Gateway hält allerdings immer noch daran fest, dass Umsätze und Gewinne den Erwartungen entsprechen werden. John Spelich, Sprecher von Gateway, hob hervor, dass die Absatzprobleme von Gateways Konkurrenten in Europa für sein Unternehmen kein Problem seien. "Verkäufe in Europa machen nur sechs Prozent unseres Geschäfts aus", betonte er. Wenn Gateways Ergebnisse tatsächlich nicht hinter den Erwartungen zurückbleiben, dürfte damit zumindest den Untergangs-Apologeten der Wind etwas aus den Segeln genommen sein. Sie deuten schon die jüngsten Gewinnwarnungen in der Computerbranche als Zeichen für das – wieder einmal – nahende Ende der PC-Ära. (chr)