Fahrbericht: Cadillac CT6 3.6 AWD
Cadillac hat noch immer einen glanzvollen Namen, auch wenn die Autos das nicht immer gerechtfertigt haben. Mit der Luxuslimousine CT6 wollen die Amerikaner nicht nur auf dem Heimatmarkt Erfolg haben, sondern auch in Asien und Europa
- Stefan Grundhoff
München, 2. Juni 2016 – Cadillac gehört wohl noch immer zu den bekanntesten amerikanischen Automarken. Der Name hat einen gewissen Glanz, den die die Autos an sich in der jüngeren Vergangenheit längst nicht immer gerecht wurden. Mit dem CT6 soll nun ein neuer Anlauf auf die Luxusmarke genommen werden. Ein anspruchsvolles Umfeld, zumal die deutsche Konkurrenz entweder ziemlich neu (BMW 7er) ist, demnächst überarbeitet (Mercedes S-Klasse) wird oder komplett in neuer Form auf den Markt kommt (Audi A8). Cadillac will den CT6 ab dem kommenden Jahr auch in Europa anbieten. Dort wird er wohl eine Randerscheinung bleiben, obwohl die Amerikaner ihre Hausaufgaben durchaus gemacht haben, wie eine kleine Probefahrt zeigt.
Eigenständiges Design
Optische Zurückhaltung ist nicht gerade eine der herausragenden Stärken der Marke. Der CT6 ist sofort als Cadillac zu erkennen und hat ein Gesicht in Menge. Mit seinem kantigen Äußeren ist er selbstbewusst gestaltet und hebt sich von der Konkurrenz deutlich ab. Dies gilt in ähnlicher Form auch für seine Abmessungen. Er ist insgesamt 5,18 m lang und hat einen Radstand von 3,11 m. Damit ist er länger als die Normalversionen von S-Klasse und 7er bzw. nur etwas kürzer als deren Langfassungen. Die Platzverhältnisse sind dementsprechend üppig, vorn, und gerade für den chinesischen Markt besonders wichtig, auch hinten. Nur der Kofferraum ist mit 433 Litern für diese Klasse eindeutig unterdimensioniert. Hier bieten die Konkurrenten erheblich mehr Platz.
Fahrbericht: Cadillac CT6 3.6 AWD (16 Bilder)

(Bild: alle press-inform)
Auch innen ist der CT6 ziemlich eigenständig, aber durchaus modern eingerichtet. Das große Display für das Infotainmentsystem ist integriert und nicht freistehend – mir gefällt das so besser als ein freistehender Bildschirm. Die Bedienung ist allerdings nicht gerade selbsterklärend und teilweise etwas umständlich gelöst. Eine kleine Reihe mit frei belegbaren Tasten würde solche Systeme auf ganz einfache Art und Weise entschärfen. BMW macht es seit Jahren so, Audi zieht gerade nach. Wie in dieser Klasse inzwischen weit verbreitet gibt es kein klassisches Kombiinstrument mehr, sondern ein Display, was sich in gewissen Grenzen konfigurieren lässt.
Bildschirm statt Spiegel
Der CT6 bekommt auch einen Bildschirm als Innenspiegel, was das Sichtfeld um 300 Prozent vergrößern soll, sagt Cadillac. Tatsächlich ist so mehr zu sehen, woran man sich schnell gewöhnt. Gewöhnen kann man sich auch das Soundsystem im Cadillac. Es kommt von Bose und ist typisch für ein amerikanisches Auto abgestimmt: Der Klang ist warm statt analytisch, die Bässe voluminös statt ultrapräzise. Zwei der insgesamt 34 Lautsprecher sind in die Kopfstützen integriert.