Fahrbericht: McLaren 540 C aus der neuen „Sports Series“
McLaren hat zwei Baureihen unterhalb des P1, also unterhalb der nun so genannten „Super Series“ bestehend aus diversen 650- und 675-Derivaten, die neue „Sports Series“ eingeführt. Nun steht für eine etwas breitere Masse mit dem 540 C endlich den Poor Man’s McLaren bereit
- Sebastian Bauer
München, 15. August 2016 – Was bekommt man, wenn man Porsches 918-Messlatte nimmt und zwei Baureihen tiefer ansetzt? Vermutlich einen 911 Turbo. Eigentlich kein so schlechter Deal. Das hat auch McLaren gemerkt und zwei Baureihen unterhalb des P1, also unterhalb der nun so genannten „Super Series“ bestehend aus diversen 650- und 675-Derivaten, die neue „Sports Series“ eingeführt. Und weil 180.000 Euro für einen 570 S eben auch noch eine kleine Stange Geld sind, hat sich McLaren endlich der breiten Masse angenommen und mit dem 540 C endlich den Poor Man’s McLaren auf die Straße gebracht – gut, nicht wirklich.
Denn gar so arm ist er an und für sich überhaupt nicht. Sicher, man hat möglichst auf alles verzichtet, was die Exklusivität oder die Komplexität unnötigerweise in die Höhe treibt. Schließlich will man mit dem 911 Turbo (ohne S) auf Augenhöhe spielen und da braucht’s keine aufwendige, aktive Aerodynamik, keine Carbonbeplankung rundum und auch nicht die komplexe Fahrwerkstechnik der großen Brüder. So gibt es stattdessen ein konventionelles Fahrwerk mit adaptiven dämpfern und ganz klassischen Querstabilisatoren. Dazu eine Hinterachse ohne Sperre, feststehende Abrisskanten statt beweglicher Spoiler und vor allem immer noch: einen überaus unterhaltsamen Flat-Plane-V8 mit Biturbo-Aufladung und Trockensumpfschmierung.
Fahrbericht: McLaren 540 C aus der neuen „Sports Series“ (11 Bilder)

Drehmomentvorschlaghammer
Im Fahrbetrieb ist ganz schnell vergessen, dass man – McLaren ist diese Differenzierung zu den Supercars sehr wichtig – „nur“ in einem Sportwagen sitzt. Allein dieser Moment, wenn der Anlasser mit angestrengtem Wiehern das Flatplane-Konzert eröffnet, das sonore, für diese Motorbauart so typische, angenehme Dröhnen aus dem Heck tönt – diese Art Einstiegsmodell könnten wir uns bei anderen Herstellern auch gefallen lassen. Die beiden Turbolader gönnen sich zwar eine kurze Gedenksekunde, geben dann aber das deutlich wahrnehmbare akustische Signal dafür, dass der Drehmomentvorschlaghammer nun zum ganz großen Schwung ausholt. Wenn die Lader voll auf Durchzug stehen, marschiert der kleine 540 C so vehement nach vorn, dass man sich überlegt, ob man in einem R8 V10 plus auch nur halb so oft an Gott, seine Mami oder sonstwen gedacht hat, während die Tachonadel – die es im 540 C nicht gibt – über die 300er-Marke gestürmt ist. Groß ist der Drehmomentvorschlaghammer und lang anhaltend seine Wucht, denn ganz untypisch für einen Turbomotor kennt er keine Müdigkeit in oberen Drehzahlregionen. Das liegt sicher auch daran, dass der Motor eigentlich zu mehr im Stande ist, denn im Grunde ist es nur ein wenig Software, welche die 30 PS zwischen 570 S und 540 C ausmacht.