Chinas E-Quote stößt deutschen Herstellern auf
Ein umstrittenes Quotensystem, unfreiwilliger Technologietransfer, mangelnde Marktreife – es gibt viel Kritik an Chinas ehrgeizigen E-Auto-Plänen. Angesichts geplanter Vorgaben bangt den deutschen Autoherstellern
- Andreas Landwehr
- dpa
Hamburg, 7. November 2016 – Mit ehrgeizigen Plänen zur Förderung der Elektroautos mischt China die deutschen Autobauer kräftig auf. Die Regierung in Peking will den größten Automarkt der Welt mit einem „großen Sprung nach vorn“ in eine Zukunft der Elektromobilität katapultieren. Aber vieles ist noch unbedacht. So bleibt fraglich, ob das geplante Gesetz auch wirklich so ambitioniert und weitreichend bleibt. Fest steht nur, dass die meisten deutschen Autobauer die Auflagen in der jetzigen Entwurfsform wohl nicht erfüllen können.
„Es ist ja nicht so, als wenn wir geschlafen hätten, sondern wir müssen ja auch die lokalen Produktionsbedingungen erfüllen“, verlautete aus Volkswagen-Kreisen. Auch müssten die Zulieferer bereit oder die Entsorgung der Batterien geklärt sein. Nach dem Entwurf für die umstrittene Quotenregelung sollen aber schon 2018 acht Prozent der neu gebauten Autos eines Herstellers einen elektrischen Antrieb haben, 2019 dann zehn Prozent und 2020 sogar zwölf Prozent.
Chinas E-Quote stößt deutschen Herstellern auf (3 Bilder)

Volkswagen verkauft heute in China noch kein einziges lokal produziertes Auto mit Elektroantrieb. Als erste begann die Tochter Audi jetzt mit der Produktion eines A6 e-tron, einem Plugin-Hybrid, der sowohl mit Benzin als auch Strom fährt. In drei bis vier Jahren will Europas größter Autobauer aber in China 15 lokal produzierte Modelle mit alternativen Antrieben wie Batteriefahrzeuge oder Plugin-Hybride anbieten.
„Wir setzen auf nachhaltige Mobilität und wollen auch bei Elektromobilität führend sein“, sagt VW-Sprecher Christoph Ludewig. „Dazu ist ein vorhersehbarer, verlässlicher und mit der nötigen Vorlaufzeit eingeführter Gesetzesrahmen notwendig.“
Autoindustrie fordert „realistische Übergangsfristen“
Vor allem die Kurzfristigkeit der Quotenpläne stößt allen auf. „Das ist schon krass“, sagt ein Experte. Auch wenn eingeräumt wird, dass deutsche Autobauer bei der E-Mobilität vielleicht nicht immer Vollgas gefahren sind, werden doch realistische Übergangsfristen gefordert – oder Möglichkeiten, Vorgaben auch später rückwirkend zu erfüllen.
Es ist ein kompliziertes Punktesystem, je nach Antriebsart oder Reichweite. Schmerzhaft wird es, wenn die Quote nicht erfüllt wird. Dann muss der Hersteller die Produktion herkömmlicher Autos sogar drosseln oder Kreditpunkte von anderen kaufen. So kann es kommen, dass deutsche Autobauer ihre chinesische Konkurrenz fördern müssen.