VW will bis 2022 angeblich gut 70 Milliarden Euro investieren
Die Dieselkrise beschäftigt Volkswagen seit 2015, weshalb Europas größter Autohersteller in Sachen Investitionen eher auf Sicht gefahren ist. Jetzt soll ein gewaltiges Milliarden-Budget gestemmt werden für neue Autos und Zukunftstechnik.
In den 1970er-Jahren arbeitete Volkswagen an der Erforschung alternativer Antriebstechnik. Ein Resultat ist der auf Elektroantrieb umgebaute Golf I aus dem Jahr 1976.
(Bild: Volkswagen)
Der Volkswagen-Konzern will nach Angaben aus informierten Kreisen in den kommenden fünf Jahren gut 70 Milliarden Euro in seine Zukunft investieren. Dabei dürfte es vor allem um Investitionen in die Elektromobilität gehen. Schon zuvor war davon ausgegangen worden, dass der Autohersteller für diesen Zeitraum trotz hoher Kosten wegen des Abgasskandals eine hohe zweistellige Milliardensumme im Budget hat. Über die Pläne berieten am Freitag die VW-Aufsichtsräte. Ein Sprecher wollte sich zu der Summe nicht äußern.
Geklärt werden soll bei den Beratungen der Kontrolleure auch, wo die E-Autos künftig gebaut werden. Im Gespräch ist das Werk in Zwickau. Auch Betriebsratschef Bernd Osterloh hatte Zwickau ins Spiel gebracht – er will erreichen, dass alle Modelle zunächst in nur einem Werk produziert werden.
Investitionen als Kraftakt
Die Abgas-Affäre und die Krise des Dieselmotors generell machen Investitionen für VW allerdings zu einem Kraftakt. Allein den Skandal in den USA beizulegen kostete die Wolfsburger über 25 Milliarden Euro. Vorstandschef Matthias Müller hatte zuvor angekündigt, dass VW die Investitionen in die Elektromobilität bis 2030 auf 20 Milliarden Euro hochfährt. Bis 2025 wollen die Konzernmarken insgesamt über 80 neue Autos mit E-Motor auf den Markt bringen, darunter rund 50 reine E-Autos und 30 Plug-in-Hybride. Allein in China sollen in den nächsten sieben Jahren gemeinsam mit Partnern 10 Milliarden Euro in die E-Mobilität gesteckt werden. VW-China-Chef Jochem Heizmann erklärte, der Markt für Elektroautos entwickle sich in der Volksrepublik "schneller als in anderen Teilen der Welt". Indes warnte Autoexperte Stefan Bratzel: "Für E-Mobilität Geld einzusetzen, ist eine Wette auf die Zukunft."
Denn Elektromobilität oder autonomes Fahren sind teuer in der Entwicklung, zugleich müssen die klassischen Verbrennungsantriebe verbessert werden. In vielen Regionen dürften E-Autos noch für Jahre keine Rolle spielen. Außerdem argumentiert die Autoindustrie, den Diesel noch zu brauchen, um die europäischen Grenzwerte beim "Klimakiller" CO2 zu erreichen. "Im Moment ist das Geld da, aber es muss gut eingesetzt werden", erklärte Bratzel. Vor allem mit Blick auf den Wandel zur E-Mobilität betonte er: "Es waren noch nie solche Investitionen notwendig wie für diese Transformation."
Erfolgsmodell Zukunftspakt
Ein Jahr nach Verabschiedung des "Zukunftspakt" genannten Sparkurses für die Kernmarke VW sehen sich Vorstand und Betriebsrat auf Erfolgskurs. Von den finanziellen Effizienzzielen seien 1,9 Milliarden Euro erreicht – 96 Prozent des für 2017 gesetzten Ziels, wie das Unternehmen mitteilte. Bei der Altersteilzeit sei das Ziel für 2020 zu 94 Prozent erreicht.
Markenchef Herbert Diess betonte: "Wir haben noch einen anspruchsvollen Weg vor uns." Betriebsratschef Bernd Osterloh sagte: "Der Zukunftspakt ist eine Erfolgsgeschichte." Vieles spreche dafür, dass die Effizienzziele auch 2018 erreicht würden. Der "Zukunftspakt" sollte die lange Zeit renditeschwache Kernmarke für die Zukunft fitmachen – kostet aber auch bis zu 23.000 Stellen in Deutschland. Betriebsbedingte Kündigungen soll es aber nicht geben, auch sollen 9000 Zukunftsarbeitsplätze entstehen. Ab 2020 sollen mit Hilfe des Pakets jährlich 3,7 Milliarden Euro eingespart werden.
Update 17.11., 14.13 Uhr: In die Entwicklung von E-Autos, autonomes Fahren und die Digitalisierung sollen von 2018 bis 2022 mehr als 34 Milliarden Euro fließen, teilte Volkswagen nach Beratungen des Aufsichtsrats mit. Damit würden die Voraussetzungen geschaffen, Volkswagen bis 2025 zur "weltweiten Nummer Eins in der Elektromobilität zu machen", sagte Konzernchef Matthias Müller. Der Standort Zwickau solle zum E-Mobilitäts-Werk werden, die Passat-Produktion ab Ende 2018 in Emden konzentriert und die Golf-Familie in Wolfsburg gebaut werden.
VW-Elektrostudie I.D. Crozz (16 Bilder)

(Bild: Volkswagen)
I.D. Buzz (13 Bilder)

Chronologie des Abgas-Skandals (78 Bilder)

(Bild: EPA
)
(anw)