Ariel Hipercar: Hoffen auf den Brexit
2017 hat Ariel einen teslaesken Schritt gewagt. Bei ihrem Hipercar (High Performance Carbon Reduction). Dabei soll es sich um nicht weniger handeln als einen Supersportler mit Elektroantrieb. Die Eckdaten lesen sich erstmal so, wie sich alle Eckdaten eines Elektro-Supercars lesen: Als wären sie nicht von dieser Welt
- Bernd Kichhahn
Der Popularitäts-Höhepunkt von Ariel, der Peak der Bekanntheit, war das Jahr 2004. Jeremy Clarkson, damals noch mehr oder weniger Skandal-unbelasteter Moderator von Top Gear, testete den Ariel Atom. Der Fahrtwind des offenen Renners verformte das Gesicht des Briten, dass man glauben könnte, der bestünde aus Kuchenteig. Das Video wurde ein viraler Hit.
Man könnte meinen, dass es keine gute Nachricht ist, wenn der größte Öffentlichkeits-Erfolg einer Marke bereits 13 Jahre zurück liegt und auch damals nur auf dem Knetgummi-Gesicht eines latent rassistischen Petrolheads basierte. Doch das ist falsch. Die Ariel Motor Company scheut ein wenig die große Öffentlichkeit.
Ariel Hipercar: Hoffen auf den Brexit (3 Bilder)

(Bild: Ariel Motor Company)
Doch es läuft gut. Neben dem Atom fertigt das Unternehmen noch das Motorrad Ace und das Quad Nomad. Alles eher minimalistische Produkte was die Verkleidung betrifft. Wie schon beim Atom konzentriert sich das Unternehmen auf die Performance. Was nicht das Schlechteste ist. Im Gegenteil.
Eckdaten wie nicht von dieser Welt
Doch 2017 hat die Firma einen teslaesken Schritt in die breite Öffentlichkeit gewagt. Mit dem Ariel Hipercar (High Performance Carbon Reduction). Dabei soll es sich um nicht weniger handeln als einen Supersportler mit Elektroantrieb. Die Eckdaten lesen sich erstmal so, wie sich alle Eckdaten eines Elektro-Supercars lesen: Als wären sie nicht von dieser Welt. Vier Elektromotoren (Radnabenmotoren mit Einganggetriebe) liefern in Summe 1180 PS und 1800 Nm, was für eine Beschleunigung von null auf hundert in 2,5 Sekunden reicht. Die Höchstgeschwindigkeit soll bei (fast bescheidenen) 257 Stundenkilometern liegen.
Der Wagen soll als Allrad-Variante und als heckgetriebene Version auf den Markt kommen. Um sein Gesicht muss sich der Pilot dabei keine Sorge machen, denn diesmal gibt es eine Karosserie und sogar eine Windschutzscheibe. Trotzdem setzt Ariel natürlich weiterhin auf Leichtbau. Das Chassis besteht auf verklebten Aluminium-Elementen, der vordere und hintere Hilfsrahmen ist aus Aluminium.
Die Leichtbau-Bestrebungen sind natürlich aller Ehren wert, doch freilich muss auch noch ein Akku ins System integriert werden. Und bei diesem Thema gibt Ariel noch keine Informationen nach außen. Angeblich sollen ein Lithium-Akku mit 42 oder 56 kWh verbaut werden. Der wäre – unter Volllast – allerdings nach geschätzten drei Minuten leer. Das wäre problematisch, schließlich sagt Ariel über das Hipercar, dass es der „erste richtige elektrische Supersportwagen sein wird, mit dem man Kontinente überqueren, in die Stadt fahren oder auf der Rennstrecke unterwegs sein kann.“ Die Lösung soll eine 35 kW-Mikrogasturbine sein, die als Range-Extender fungieren soll.
Doch noch hat Ariel ein bisschen Zeit. Die Kleinserienproduktion soll 2020 anlaufen. Auch zum Preis gibt es noch keine echten Angaben. Lediglich das Versprechen, dass es „konkurrenzfähig“ sein, ein tolles Preis-Leistungs-Verhältnis haben werde und auf jeden Fall diesseits der eine Millionen Pfund Marke parken soll. Naja ... mit etwas Glück macht der Brexit das Hipercar also zur Okkasion. (fpi)