Ziel von einer Million E-Autos jetzt zwei Jahre spÀter
Das GeschĂ€ft mit E-Autos lĂ€uft hierzulande nach wie vor schleppend. Die Bundesregierung hat deshalb schon lange nicht mehr davon gesprochen, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutsche StraĂen zu bringen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben
- dpa
(Bild:Â Clemens Gleich)
Unter der Hand war das Ziel schon lĂ€ngst gekippt. Jetzt gehen auch die Berater der Bundesregierung nicht mehr davon aus, dass im Jahr 2020 eine Million E-Autos auf deutschen StraĂen fahren. Die Nationale Plattform ElektromobilitĂ€t (NPE) schreibt in ihrem heute (19. September 2018) in Berlin veröffentlichten Fortschrittsbericht 2018, ausgehend von der derzeitigen Marktdynamik werde das Ziel von einer Million E-Autos voraussichtlich erst 2022 erreicht.
Die NPE beobachtet seit acht Jahren den E-Auto-Markt in Deutschland und spricht Empfehlungen fĂŒr die Bundesregierung aus. Im Jahr 2010 hatte sie die SchĂ€tzung ausgegeben, dass bis 2020 eine Million E-Autos auf deutschen StraĂen rollen. Die Bundesregierung hatte sich dieses Ziel zu eigen gemacht. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte allerdings selbst schon vor einem Jahr gesagt: âSo wie es im Augenblick aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen.â
DafĂŒr sprechen seit langem die Fakten. Anfang 2018 fuhren gerade mal 98.280 reine Stromer und Autos mit Plug-in-Hybridantrieb auf hiesigen StraĂen. Bis Ende August zĂ€hlte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in diesem Jahr zwar noch einmal 45.422 Neuzulassungen. Doch auch dieser AufwĂ€rtstrend dĂŒrfte nicht reichen, um die Marke zu knacken.
Im internationalen Vergleich liegt das Autoland Deutschland damit weit hinter Staaten wie China, den USA, aber auch Norwegen, wo ElektromobilitĂ€t politisch stĂ€rker gefördert wird. Der Vorsitzende der NPE, Henning Kagermann, betonte deshalb bei der Ăbergabe des Berichts an die Bundesregierung: âDas Eine-Million-Ziel bleibt eine gute politische RichtgröĂe.â Wichtiger als das genaue Datum sei jedoch ein stimmiges Gesamtsystem aus Angebot, Infrastruktur, einem klimafreundlichen Energiesystem, Dienstleistungen und rechtlichen Rahmenbedingungen.
Als Hemmschuh fĂŒr die Verbreitung von Elektroautos werden verschiedene GrĂŒnde genannt. Die Autos sind vergleichsweise teuer, es gab in der Vergangenheit nur wenige Modelle zu kaufen. Die Reichweite einer Batterieladung kam lange nicht an die einer TankfĂŒllung heran.
Zugleich fehlten Ladestationen, um dieses Manko vor allem auf lĂ€ngeren Strecken auszugleichen. Laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sind fĂŒr eine Million E-Autos auf den StraĂen 70.000 Normal-Ladepunkte und 7000 Schnell-Ladepunkte nötig. Zuletzt zĂ€hlte der BDEW nur 13.500 öffentliche und teilöffentliche Ladepunkte â etwa in ParkhĂ€usern und Hotels, davon 13 Prozent Schnell-Lader.
Dabei hatte es jĂŒngst viele Initiativen und Förderprojekte gegeben, um zumindest dieses Problem zu lösen. Nach dem Willen der groĂen Koalition soll es nun bis 2020 mindestens 100.000 Ladepunkte fĂŒr Elektrofahrzeuge zusĂ€tzlich geben. Hersteller hatten ein Gemeinschaftsunternehmen fĂŒr den Aufbau eines Ladenetzes an viel befahrenen Strecken gegrĂŒndet. Zumindest diese Initiative wertet die NPE als Erfolg: An den Autobahnen, so der Bericht, wird Deutschland 2018 das weltweit erste flĂ€chendeckende Ladenetz haben.
Inzwischen sind 33 Modelle deutscher Autobauer am Markt, bis 2020 sollen es den SchĂ€tzungen zufolge 100 sein. âFlankiert wird das durch Investitionen der öffentlichen Handâ, erklĂ€rte heute Bernhard Mattes, PrĂ€sident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). So habe die Bundesregierung bis September 2017 2,2 Milliarden Euro fĂŒr Forschung und Entwicklung in der ElektromobilitĂ€t bereitgestellt.
NPE-PrĂ€sident Kagermann ist daher zuversichtlich, das Eine-Million-Ziel mit zwei Jahren Verzögerung zu erreichen: âDie Marktdynamik mit hohen Zuwachsraten in Deutschland sieht sehr positiv aus und zeigt, dass wir wesentliche Fortschritte erreicht haben.â (fpi)