Crashtest: Wie sicher sind kleine Cabrios?

Die Oben-Ohne-Fangemeinde wird stets größer. Immer mehr Leute fahren Cabrio oder Roadster. Doch die wenigsten sind sich bewusst, welchen Gefahren sie sich damit aussetzen. Eine aktuelle Crashtestserie gibt Aufschluss

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Wildhaus (Schweiz), 22. Juni 2007 – Statistiken belegen: Die Oben-Ohne-Fangemeinde wird immer größer. Allein im vergangenen Jahr kamen auf deutschen Straßen rund 150.000 neue Cabrios hinzu. Doch das Fahren unter freiem Himmel birgt besondere Gefahren. Bei einem Unfall können der enge Fahrgastraum und die cabriospezifische Konstruktionsweise den Insassen zum Verhängnis werden. Wo die Sicherheitsrisiken von Kleinwagen-Cabrios liegen, zeigen vier Crashtests der Versicherungsgruppe Axa Winterthur und des Sicherheitsspezialisten Dekra.

Beim Frontalaufprall von zwei annähernd gleich schweren Autos ist zu erwarten, dass beide Fahrzeuge gleich schwer beschädigt werden. Doch bei einem der jetzt durchgeführten Crashtests war es anders: Die Forscher ließen ein Fiat Punto Cabrio gegen einen geschlossenen Punto prallen. Beide bewegten sich mit 50 km/h und prallten versetzt aufeinander. Ergebnis: Die Fahrgastzelle des Cabrios blieb fast unversehrt. Denn das fehlende Dach und die damit verbundene geringere Karosseriesteifigkeit werden bei Cabrios durch Längs- und Querverstrebungen im Boden wettgemacht. Die machen das Cabrio beim Frontalaufprall sogar sicherer als das geschlossene Pendant.

Crashtest: Wie sicher sind kleine Cabrios? (18 Bilder)

Frontalcrash: Das Fiat Punto Cabrio hält sich besser als der geschlossene Punto

Allerdings kann die spezielle Bauweise von Cabrios auch negative Effekte haben, zum Beispiel beim Seitenaufprall: Die Forscher ließen einen Ford Ka mit 60 km/h in die Seite eines mit 30 km/h fahrenden Ford Streetka krachen. Ergebnis: Die Fahrertüre des zweitürigen Kleincabrios wird massiv eingedrückt. Denn die Seitentüren sind bei einem zweitürigen Cabrio länger als bei einem Viertürer, was die Stabilität verringert. Schwere Becken- und Kopfverletzungen wären die Folge gewesen. Der Seitenairbag hilft kaum, weil er sich an der versenkten Seitenscheibe nicht abstützen kann. Bei der Kollision bewegt sich der Cabriofahrer außerdem so stark zum auffahrenden Fahrzeug hin, dass es zu einem Aufschlag des Kopfes kommen kann. Reale Unfälle zeigen, dass sich das seitlich angestoßene Fahrzeug bei dieser Kollisionskonstellation auch überschlagen kann.