Freude am Kaufen: Die BMW-Welt ist eröffnet
Am auffälligsten ist der Doppelkegel, zwei Kegel scheinen mit der Spitze aufeinander zu stehen, auf ihrer Oberfläche rauscht Glas strudelförmig-dramatisch in die Tiefe. Geht das innen so weiter?
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München, 18. Oktober 2007 – Am auffälligsten ist der Doppelkegel, zwei Kegel scheinen mit der Spitze aufeinander zu stehen, auf ihrer Oberfläche rauscht Glas strudelförmig-dramatisch in die Tiefe. Dieser funkelnde Anbau fungiert sowohl als Showroom für Neuheiten und auch als zwölfter Stützpfeiler, leitet 18 Prozent der Dachlast in die bayerische Erde. Tief unten, sechs Meter unter dem Grundwasserspiegel, ruht das durch Pfähle gehaltene Fundament dessen, was als Zentrum der Marke BMW erblühen soll: die neue BMW-Welt.
In der 70er Jahre Olympiawelt
Von außen hat sich BMW da einen dekonstruktivistischen Eyecatcher hingestellt. In direkter Nachbarschaft zum angekratzten Olympiastadion, dem erneuerten BMW-Vierzylinder-Hauptquartier aus dem Jahre 1972 und dem Fernsehturm ist so wohl ein Mekka für Architektur-Interessierte entstanden. Glatte Glasflächen, kaum eine gleicht der anderen, kanten sich um das Gebäude, welches sich mit einem glatten Dach vom Himmel abschneidet. Der besagte Doppelkegel sieht von oben tatsächlich aus wie der kleine Strudel im Badewannenabfluss – von der Schwerkraft an den Boden gefesselt, sehen wir davon allerdings nichts.
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Bewegtes Glas im Abendlicht: Das Hauptgebäude der neuen BMW-Welt
Innen funktional
Innen angekommen, kann das Gebäude das von außen gemachte Versprechen von aufregender Dramatik nicht halten. Eine graue große Halle empfängt uns. Die Tatsache, dass hier, wie so oft bei moderner Architektur, „an die Grenzen des Machbaren“ gegangen wurde, bedingt unter anderem, dass zwischen den Stützpfeilern Spannweiten von 80 Metern erzielt wurden. Insgesamt ließen sich mit dem BMW-Welt-Deckel der Markus-Platz in Venedig oder ein Fußballfeld überdachen. Der Innenraum der Glashülle ist so weitläufig, dass alles ein wenig verloren wirkt. Hinzu kommt ausgesuchte Sterilität: Glasflächen, graue Betonflächen und glatte Metallflächen. Laut Professor Wolf D. Prix, mit seinem Wiener Architekturbüro Coop Himmelb(l)au für den Gebäudeentwurf verantwortlich, soll die neue BMW-Welt wie die Akropolis (welch obszöner Vergleich) ein multifunktionaler Treffpunkt sein, wo auch Konzerte, Theater und Konferenzen stattfinden. Und genau dieser Mehrzweckcharakter kommt ausgesprochen gut zur Geltung.