Freude am Kaufen: Die BMW-Welt ist eröffnet
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Von oben schöner
Allerdings wird BMWs neues Refugium mit jedem Schritt nach oben schöner. Frei schwebende Brücken scheinen den Gesetzen der Statik zu trotzen und verbinden über weite Strecken geschwungene Ebenen. Hier oben sind auch die 20 Drehteller und 16 Panorama-Plätze, auf denen begeisterte Selbstabholer-Kunden dann nach einer stundenlangen Zeremonie endlich ihren Wagen abholen können. Laut BMW war dies ein sehnlicher Wunsch der teuren Kundschaft. Rund 450 Euro kostet das Selbstabholen, ob der Wagen auf einem Drehteller rotiert oder vor einer lichtdurchfluteten Panoramascheibe auf seine neuen Fahrer wartet, kann man sich im übrigen aussuchen. Ausgeliefert werden nur BMW-Modelle, Mini und Rolls Royce müssen in Sachen BMW-Welt draußen bleiben. Und den im amerikanischen Spartanburg gebauten X5 gibt es nur für europäische Kunden – Amerikaner müssen auf das Hin- und Hergeschipper ihres X5 zwischen den Kontinenten vernünftiger Weise verzichten.
Brimborium mit schlimmem Ende
Zur Eröffnung des heiligen BMW-Grals schwingt natürlich alles eine Rede, was Rang und Namen hat. Während der BMW-Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer noch launig und erfolgreich die Emotionen um die Marke BMW feiert, kann es sich der frischgebackene bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein bei seinem ersten größeren öffentlichen Auftritt nicht verkneifen, darauf hinzuweisen, dass er mit dem BMW-Standort Leipzig ein wenig unglücklich ist – trotzdem verspricht er dem vielleicht wichtigsten Arbeitgeber seines Landes Nachsicht und Ablass in Sachen Kohlendioxid-Obergrenzen für großkalibrige Premium-Fahrzeuge: hemdsärmelige Politik auf Landesebene. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude gönnt sich ebenfalls einen ausgiebigen Showblock und weist darauf hin, dass eine erfolgreiche Olympiabewerbung Münchens für die Winterspiele 2018 das marode Olympiastadion schräg gegenüber aus dem Reich der Untoten zurückholen würde. Wirklich einen starken Magen brauchen wir, als die Familie Schürf auf einmal die Bühne betritt. Ein unecht und gestelzt wirkendes Muster aus Mann, Frau und kleinem Kind darf im Zuge der ersten Fahrzeugübergabe in der BMW-Welt einen 3er Touring entgegen nehmen. Keine Ahnung, ob es diese Show-Familie aus der Region Traunstein wirklich gibt, aber das extra fürs Töchterchen präsentierte Plastikauto verschwindet wieder im Kofferraum des 318d. Vor amerikanischen Bildschirmen fließen vielleicht Tränen, für einen gesunden europäischen Geschmack ist das eine gefährliche Überdosis Zucker.