Volkswagen setzt Produktion aus

Volkswagen will die Produktion in zahlreichen Werken wegen der Ausbreitung des neuen Coronavirus vorĂŒbergehend aussetzen.

vorlesen Druckansicht
VW Golf Produktion

"Hochzeit" in der Golf-Produktion: Motor und Karosserie werden zusammengefĂŒhrt. Damit ist nun vorlĂ€ufig Schluss.

(Bild: Volkswagen)

Lesezeit: 3 Min.
Von
  • dpa

An den allermeisten Standorten solle an diesem Freitag (20. MĂ€rz 2020) die letzte Schicht laufen, hieß es am Dienstag (17. MĂ€rz 2020) aus dem Betriebsrat in Wolfsburg. In den vergangenen Tagen hatte es auch in deutschen Werken erste bestĂ€tigte FĂ€lle von Infektionen mit dem Erreger der Lungenkrankheit Covid-19 gegeben. Der Betriebsrat beriet nun mit dem Vorstand ĂŒber die Lage. Aus Sicht der Mitarbeitervertreter reicht die beschlossene Unterbrechung der Fertigung bisher aber nicht aus.

Videos by heise

„Im Vordergrund stand die Situation der Kolleginnen und Kollegen im direkten Bereich, wo auf den Montagelinien Schulter an Schulter an unseren Fahrzeugen gearbeitet wird“, hieß es. Das Robert-Koch-Institut empfehle jedoch etwa MindestabstĂ€nde, die an den einzelnen Arbeitsstationen nicht einzuhalten seien. „Wir dringen hier auf verbindliche Ansagen“, erklĂ€rte der Betriebsrat in Richtung Management.

Welche Folgen der Schritt fĂŒr die Produktion beim grĂ¶ĂŸten Autohersteller der Welt hat und wie lange die Maßnahme anhĂ€lt, war zunĂ€chst unklar. Volkswagen-Chef Herbert Diess sagte, viele Standorte richteten sich auf zwei Wochen Unterbrechung ein. Die deutschen Standorte waren nach jĂŒngsten Angaben des Konzerns bisher nur von relativ wenigen nachgewiesenen Sars-Cov-2-Infektionen betroffen. Am vergangenen Wochenende waren FĂ€lle im Werk Baunatal bei Kassel sowie im Stammwerk Wolfsburg bekannt geworden.

Den betreffenden BeschĂ€ftigten soll es jĂŒngsten Angaben zufolge gut gehen, sie sind in hĂ€uslicher QuarantĂ€ne. VW hatte zuletzt etwa Hygiene- und Abstandsvorschriften verschĂ€rft, auch Kantinen sollten geschlossen werden. Dienstreisen wurden eingeschrĂ€nkt, grĂ¶ĂŸere Versammlungen verschoben.

Vorstand und Betriebsrat hatten sich kĂŒrzlich an die Belegschaft gewandt. „Uns ist klar, dass wir auch bei Volkswagen mit FĂ€llen von Corona rechnen mĂŒssen“, hieß es in einem Brief an die Mitarbeiter. „Es geht aber darum, die Ausbreitung einzudĂ€mmen. Denn so schĂŒtzen wir die Schwachen in der Gesellschaft: unsere Eltern und Großeltern, Lungenkranke, Asthmatiker und alle anderen Risikopersonen.“

Der grĂ¶ĂŸte deutsche Industriekonzern hat weltweit mehr als 670.000 BeschĂ€ftigte, auch in vielen anderen LĂ€ndern gelten inzwischen erhöhte Vorsichtsmaßnahmen. Bisher waren die Lieferketten nach offiziellen Angaben nicht nennenswert unterbrochen oder gefĂ€hrdet.

In China, wo die Coronavirus-Pandemie ausbrach und Volkswagen zeitweilig auch schon Fabriken schließen musste, entspannte sich die Lage zuletzt wieder etwas. Im Februar 2020 waren die VerkĂ€ufe in der Volksrepublik abgestĂŒrzt: Sie sanken im wichtigsten Einzelmarkt im Vergleich zum Vorjahr um fast drei Viertel. Der Effekt war maßgeblich dafĂŒr verantwortlich, dass auch bei globaler Betrachtung ein erhebliches Minus um 24,6 Prozent in der Absatzstatistik stand.

Am Montag (16. MĂ€rz 2020) hatten mit PSA und FCA, zwei Schwergewichte des Autoabsatzes in Europa, bekannt gegeben, die Produktion in allen europĂ€ischen Werken vorĂŒbergehend einzustellen. Wann wieder Autos von den BĂ€ndern laufen, ist ungewiss.

(mfz)