Kraftstoffverbrauch von Neuwagen sinkt leicht

Neue Autos verbrauchen im WLTP weniger Kraftstoff als im 1. Halbjahr 2019. Doch der Fortschritt ist klein; bei den Abgasnormen müssen fast alle bald nachbessern

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Kraftstoffverbrauch von Neuwagen sinkt leicht

(Bild: Aral)

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Es geht abwärts, wenngleich das Tempo vergleichsweise gemächlich ist. In den ersten sechs Monaten sank der Kraftstoffverbrauch von erstmals zugelassenen Autos in Deutschland um 4,4 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2019, wie aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht. Ablesen lässt sich das in den CO2-Emissionen, die im Schnitt von 157,7 auf 150,8 Gramm CO2/km sanken. Erfasst wurde dieser Wert im aktuellen Verbrauchszyklus WLTP. Der eigentlich im Ruhestand befindliche NEFZ mischt an anderer Stelle weiter kräftig mit – wofür die Hersteller dankbar sein dürfen.

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Den niedrigsten CO2-Ausstoß verzeichnete Renault mit 116,6 Gramm pro Kilometer. Der französische Hersteller profitierte dabei davon, dass mehr als jedes siebente neu zugelassene Fahrzeug von ihm ein Elektroauto war. Die Marke DS, die PSA für seine „Premium”-Modelle aufbaut, konnte den höchsten Rückgang verbuchen – 22,8 Prozent ging der CO2-Ausstoß hier zurück. 1350 Fahrzeuge konnte DS in Deutschland im ersten Halbjahr verkaufen, davon waren 93 E-Autos und 303 Plug-in-Hybride. Die Marke steht mit einem durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 125,7 Gramm/km vergleichsweise gut da.

Das lässt sich nicht von allen Marken sagen. Bei Fiat (plus 44,7 Prozent), Citroën (plus 15,2 Prozent) Jeep und Mitsubishi (jeweils plus 0,2 Prozent) stieg der CO2-Ausstoß gegenüber dem ersten Halbjahr 2019 sogar noch an. Fiat liegt mit 223,3 Gramm CO2/km laut KBA sogar noch oberhalb von Porsche. Auch Jeep und Land Rover überbieten die Marke von 200 Gramm CO2/km.

Ganz grundsätzlich belegen diese Zahlen, wie stark die Hersteller davon profitieren, dass der Flottengrenzwert im veralteten NEFZ erfasst wird. Nach dieser Messmethode befinden sich fast alle Hersteller auf dem Weg in den Zielkorridor von rund 95 Gramm CO2/km. Das war zu erwarten, denn andernfalls drohen den Herstellern in diesem Jahr erstmals empfindliche Strafen. Wobei den Konzernen gleich noch drei weitere versteckte Erleichterungen helfen: Zum einen drücken E-Autos und eine industriefreundliche, realitätsferne Verbrauchsermittlung für Plug-in-Hybride den Flottenverbrauch vorübergehend sehr stark. Zudem dürfen sie die verbrauchsintensivsten fünf Prozent aus der Bilanz nehmen. Und schließlich dürfen Hersteller mit anderen gemeinsam bilanzieren – für Tesla ein gutes Geschäft.

Die Statistik des KBA zeigt aber noch etwas anderes. Zugelassen werden dürfen Neuwagen in der EU derzeit nur mit den Abgasnormen Euro 6d und Euro 6d-Temp. Für letztere gilt das nur noch bis Ende dieses Jahres, ab Januar 2021 müssen alle erstmals zugelassenen Autos die Abgasnorm Euro 6d-ISC-FCM erfüllen. Die Hersteller sind bei der Umstellung unterschiedlich weit vorangekommen. Opel, Peugeot, Citroën und Toyota verkaufen einen Großteil ihrer Neuwagen mit der Euro 6d, auch Mercedes kann auf eine hohe Zahl von Neuwagen mit der neuesten Norm verweisen.

Die meisten Hersteller warten mit der Umstellung noch ab und verkaufen Neuwagen, die binnen Monaten nicht mehr dem aktuellen Stand entsprechen werden. Alfa Romeo, Dacia, Jeep, Ssangyong und Nissan haben noch nicht einen Neuwagen mit Euro 6d auf die Straße gebracht, bei Ford (64), Kia (90), Mitsubishi (5) und Seat (45) sieht es nicht viel besser aus.

Selbst der Marktführer VW, der mit seinem Abgasbetrug diese Problematik ins Bewusstsein einer größeren Öffentlichkeit gerückt hat, gehört zu jenen, die sich zurückhalten. Auf 223.227 Neuzulassungen, die VW in den ersten sechs Monaten hierzulande verbuchen konnte, kamen lediglich 4647 Autos mit Euro 6d. Wie die meisten Konkurrenten tut Volkswagen bei der Abgasnorm derzeit nicht mehr, als unbedingt nötig. Es mag daran liegen, dass die Hersteller sich darauf verlassen können, dass eine relevante Zahl der Neuwagen-Käufer die Abgasnorm schlicht nicht interessiert.

(mfz)