Klimawandel: „Weißweine leiden unter Hitzestress“
Biologe Reinhard Töpfer leitet seit 1995 das JKI Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof in Siebeldingen. Er entwickelt Rebsorten, die robuster sind.
(Bild: JKI)
TR: Professor Töpfer, das Institut, an dem Sie arbeiten, vermeldete im Sommer stolz, eine neue Rebsorte gezüchtet zu haben. Gibt es nicht schon genug verschiedene Weine?
REINHARD TÖPFER: Bereits im 19. Jahrhundert war der Auslöser für Neuzüchtungen eingeschleppte Krankheiten aus Nordamerika wie der Echte und der Falsche Mehltau. Fast zeitgleich wurde auch noch die Reblaus hier eingeschleppt. Das Problem der Reblaus ist gelöst. Alle traditionellen Rebsorten sind jedoch noch immer anfällig gegen Mehltau. Zudem haben neue Rebsorten eine Bedeutung vor dem Hintergrund des Klimawandels.
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Macht sich der Klimawandel für den Weinbau nicht eher positiv bemerkbar?
Das ist abhängig von den Sorten. Weißweine leiden unter Hitzestress. Außerdem ändert sich durch die frühere Reife die Charakteristik. Die Weine werden zu alkoholreich, weil zu viel Zucker anfällt, und haben zu wenig Säure, weil die während warmer Herbsttage vermehrt abgebaut wird. Bei Rotwein ist das etwas günstiger, aber hier müssten wir gegen die Konkurrenz aus Südeuropa und Übersee antreten.
Wie züchtet man denn eine neue Rebsorte?
Sie nehmen sich zwei Elternlinien, kreuzen die und bekommen so Samen. Die Sämlinge, die am besten den Zuchtvorgaben entsprechen, vermehren Sie dann weiter. Allerdings muss in unserem Fall ein Elternteil Resistenzen gegen Mehltau einbringen. Der andere Teil muss Qualitätsmerkmale einbringen.
Wie lange dauert so etwas?
Rund 25 Jahre.
Könnte man mit neuen Verfahren wie Crispr/Cas hier nicht zu schnelleren Erfolgen kommen?
Ich glaube, dass es mindestens genauso lange, wenn nicht gar länger dauern würde, die Resultate, die wir mit konventionellen Züchtungen erzielt haben, mit Crispr/Cas zu erzielen. Einfach weil wir das Wissen um die relevanten Gene nicht haben.
Wie lange wird es dauern, bis man Wein der neuen Rebsorte tatsächlich kaufen kann?
Es gibt eine Reihe von Winzern, die bereits während der Versuchsphase Anlagen angelegt haben. Wer also unter dem Stichwort Calardis Blanc sucht, wird durchaus schon das eine oder andere Weingut finden, das die Sorte im Angebot hat. Die große Schwierigkeit bei neuen Sorten ist jedoch nicht die Züchtung, sondern die Markteinführung. Das ist immer noch eine große Hürde.
(bsc)