Japans Technologieindustrie zeigt Nerven

Ein japanisches Hightech-Unternehmen nach dem anderen gibt massive StellenkĂĽrzungen bekannt und beschert der Wirtschaftsmacht ein bis dato unbekanntes Problem: Arbeitslosigkeit.

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Von
  • Lars Nicolaysen
  • dpa

Nun hat es auch Japans Technologieindustrie erwischt. Ein fernöstlicher Konzern nach dem anderen muss dieser Tage massive Stellenkürzungen und radikale Umstrukturierungen bekannt geben. Ausgerechnet Japans Hightech-Branche, Stolz der Nation und Rückgrat der fernöstlichen Wirtschaftsmacht, muss die Notbremse ziehen. Dabei galten Nippons Elektronikunternehmen, einst in aller Welt bewundert wie gefürchtet, noch vor wenigen Monaten als Zugpferde, um der rezessionsgeplagten Wirtschaftsnation wieder zu Wachstum zu verhelfen.

Doch nun müssen die Technologiekonzerne das vollziehen, was die Konkurrenz in anderen Ländern bereits hinter sich hat. Am Montag teilte Toshiba mit, zehn Prozent seiner Arbeitsplätze zu streichen. Von den rund 19.000 betroffenen Stellen fallen allein 17.000 in Japan weg. Das ist bemerkenswert in einem Land, das Arbeitslosigkeit lange Zeit für ein westliches Phänomen gehalten hat. Noch immer hängen viele Menschen an dem einst so erfolgreichen Prinzip der lebenslangen Beschäftigung. Als Matsushita kürzlich bekannt gab, mit dieser Tradition zu brechen und ebenfalls Tausende von Stellen durch Vorruhestandsregelungen abzubauen, ging eine Schockwelle durchs Land.

Inzwischen haben auch andere diesen Weg eingeschlagen. So will auch der Siemens-Partner Fujitsu weltweit 16.400 Stellen streichen. Beim Konkurrenten NEC fallen 4000 Arbeitsplätze weg. Der nächste Kandidat dürfte Hitachi sein: Japanischen Medienberichten zufolge will auch dieser Konzern 20.000 Stellen wegrationalisieren.

Das Alarmierende an diesen Hiobsbotschaften ist nach Ansicht von Experten, dass sich die Probleme wie die sinkenden Kapitalinvestitionen in der Technologieindustrie auf die gesamte Wirtschaft auswirken und die Rezession zusätzlich verschärfen, wie die Finanzzeitung Nihon Keizai Shimbun unlängst schrieb. Das bekommen auch andere Sektoren wie der ohnehin von der Wirtschaftskrise geschwächte Maschinenbau zu spüren.

Schuld an der Misere ist zum einen der Kollaps der Dotcom-Blase in den USA. Er erfolgte zu einem Zeitpunkt, als sich die Nachfrage nach Computern und Mobiltelefonen in den Industriestaaten gerade den Zenit erreichte. Das Geschäftsumfeld hat sich zudem in den letzten Jahren dramatisch gewandelt. Was einst noch Wettbewerbsfähigkeit versprach, war mit einem Mal in Frage gestellt. So fanden sich Japans Elektronikkonzerne in der Situation wieder, dass sie in puncto Kosteneffizienz und technologischem Vorsprung ins Hintertreffen geraten waren, wie die japanische Wirtschaftszeitung Nihon Keizai Shimbun feststellte.

Bedroht durch die Konkurrenz aus den Vereinigten Staaten und dem benachbarten Asien sind Nippons Technologieunternehmen nun gezwungen, das Hauptaugenmerk auf profitable Kernbereiche zu richten. So will sich der Computerbauer Fujitsu künftig verstärkt auf Software und Dienstleistungen konzentrieren. Toshiba verhandelt mit dem angeschlagenen Halbleiterhersteller Infineon über eine Zusammenarbeit in dem verlustreichen Geschäft mit Speicherchips. Toshiba wäre Medien zufolge der erste japanische Hersteller, der sein Speicherchipgeschäft mit einem Auslandskonzern verschmelzen würde. Nippons Hightech-Giganten können sich nicht allein darauf verlassen, dass sich die Situation in den USA irgendwann einmal wieder erholt. (Lars Nicolaysen, dpa) / (daa)