Liberty will Einstieg ins Kabelnetz nicht um jeden Preis

Liberty Media wird wohl auch keine Ministererlaubnis zum Kauf der TV-Kabelnetze beantragen.

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Von
  • Jürgen Kuri

Der US-Medienkonzern Liberty Media will den Einstieg ins deutsche Kabelnetz nicht um jeden Preis erzwingen. "Wir gehen davon aus, dass keine Ministererlaubnis beantragt wird", sagte Liberty-Rechtsanwalt Frank Montag am Montag in Frankfurt. Auch mit einer Erlaubnis hätte das Unternehmen eine Behörde im Nacken, die diesen Kauf eigentlich nicht wollte, sagte er. Da das amerikanische Unternehmen dem Bundeskartellamt auch am Freitag keine Zugeständnisse gemacht hatte, wird das Kartellamt den Kauf der Telekomkabelnetze aller Voraussicht nach verbieten. Eine solche Entscheidung durch eine Sondergenehmigung des Wirtschaftsministeriums zu umgehen, war bereits Ende vergangenen Jahres von der niedersächsischen Wirtschaftsministerin Susanne Knorre ins Gespräch gebracht worden; der Vorschlag von Knorre war aber schon damals heftig umstritten.

Inzwischen klärten sich die Fronten, dass Bundeskartellamt wird wohl Nein sagen und Liberty Media gibt nicht nach. Dabei ist nicht nur die Übernahme der Telekom-Netze, sondern auch die des Kabelnetzbetreibers Telecolumbus durch Liberty inzwischen unwahrscheinlich. Die Kartellhüter hatten in diesem Fall ebenfalls eine Abmahnung an Liberty geschickt. "Wir gehen davon aus, dass das Amt auch diese Übernahme untersagen wird", sagte Montag. Der Telecolumbuskauf mache für Liberty ohne die Telekomnetze aber ohnehin keinen Sinn. Verhandlungen mit der Telekom über einen niedrigeren Preis für die Kabelnetze gebe es nicht. "Das Geschäftsmodell ist langfristig wichtiger als der Preis", begründete Montag. Doch dazu gehört für den Konzern die Integration des Telekomkabelnetzes mit Anbietern der Netzebene 4, die die Telnehmer direkt mit Kabelanschlüssen bis in die Wohnzimmer versorgen. Auch eine solche Integration ist dem Kartellamt ein Dorn im Auge. (jk)