Formel 1: Kleine Veränderungen, große Wirkung

Neue Vorgaben könnten das Feld stärker durcheinanderwirbeln als zunächst gedacht. Doch die bisher Führenden werden wohl weiterhin vorn dabei sein.

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Bei ersten Testfahrten tat sich Mercedes überraschend schwer, die richtige Balance zu finden.

(Bild: Mercedes)

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Am 28. März startet die Formel-1-Saison 2021 in Bahrain. Ab diesem Jahr gelten ein paar Regeländerungen, die auf den ersten Blick nicht allzu tiefgreifend erscheinen mögen. Auf den zweiten allerdings sehr wohl. Gerade die kleinen Einschnitte bei der Aerodynamik haben offenbar einen größeren Hebel als zunächst gedacht

Weil die Formel-1-Wagen immer schneller werden und das Reifenhersteller Pirelli auch wegen eines Entwicklungsstopps einige Probleme bereitet, wird es an den Boliden neue Unterböden geben. Durch eine Beschneidung des Bodens soll sich der Abtrieb um etwa zehn Prozent verringern – damit werden die Autos merklich an Geschwindigkeit verlieren und auch die Rundenzeiten dürften in diesem Jahr um einiges langsamer sein als noch 2020.

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Erste Testfahrten zeigten diesbezüglich bereits Wirkung: Serien-Sieger Mercedes hatte mit Balance-Problemen zu kämpfen. Das Team von Toto Wolff hatte es in den vergangenen Jahren geschafft, viel Unterdruck am Unterboden aufzubauen. Das bringt Abtrieb, der nicht über die Flügel erzeugt werden muss – das Auto wird gewissermaßen auf die Straße gesaugt. Dieser Unterdruck ist durch die Maßnahmen spürbar reduziert. Mercedes wird vermutlich trotzdem wieder vorn mitfahren, doch ganz so einfach wie zuletzt wird es für die Fahrer nicht mehr. Lewis Hamilton drehte sich während der Testfahrten öfter als gewöhnlich. Bei Red Bull scheinen die Probleme deutlich weniger ausgeprägt.

Bislang dauerten die Übungseinheiten am Freitag immer jeweils 90 Minuten, nun werden die Trainings auf eine Stunde verkürzt. Das trifft weniger die Routiniers als vielmehr die Neuen in diesem Geschäft. Denn am Freitag wird in der Regel die Abstimmung des Autos für das Rennen bestimmt. Mit Erfahrung lässt das richtige Setup leichter finden.

Die Rennwochenenden sollen kompakter werden, außerdem wird durch verschiedene Rennserien im Rahmenprogramm auch mehr reine Streckenzeit für die Frauenserie oder die Nachwuchsklassen Formel 2 oder Formel 3 benötigt. Zudem sollen die Mechaniker entlastet werden, denn der Stress nimmt zu: Erstmals sollen 23 Rennen ausgetragen werden.

Schon im vergangenen Jahr waren die Fahrzeuge so schwer wie nie zuvor - doch nun wird noch einmal Gewicht draufgepackt. Die Fahrzeuge werden künftig 749 statt 746 Kilogramm wiegen. Grund dafür ist der schwerere Motor, der künftig 150 statt 145 Kilogramm wiegen muss. Hintergedanke bei dieser Maßnahme ist, dass die Rennställe das Motorengewicht nicht durch besonders teure Materialien nicht noch weiter verringern sollen. Außerdem soll binnen Jahresfrist der Bioanteil im Sprit steigen – von derzeit 5,75 auf zehn Prozent.

Zum ersten Mal werden die Ausgaben der Teams beschränkt. 2021 dürfen sie maximal 145 Millionen Dollar ausgeben, die Summe sinkt in den Folgejahren auf 135 Millionen Dollar ab. Ausgenommen davon sind aber die teilweise enorm hohen Gehälter der Fahrer oder Marketingmaßnahmen. Die Kostengrenze gilt dabei ausschließlich für Teams, die ihren Wagen selbst bauen. Wer nur Teile einkauft, darf weniger ausgeben.

(mfz)