Wie der erste Audi: E-SUV Q4 e-tron wird in Zwickau gebaut

Mit dem batterieelektrischen SUV Q4 e-tron kehrt Audi zu seinen Wurzeln zurück: In Zwickau lief 1910 der erste Audi vom Band.

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Audi Q4 e-tron

(Bild: Audi)

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Die Herstellung von Autos hat in Zwickau eine lange Tradition. Vor gut 110 Jahren wurde dort der erste Audi gebaut. Seit dem hat das Werk einige Umbrüche erlebt, den jüngsten durchläuft es gerade. Denn Zwickau wird einer der ersten Hauptstandorte für Elektroautos aus dem Volkswagen-Konzern.

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Dafür ist schon reichlich Geld geflossen. Das Werk wurde für rund 1,2 Milliarden Euro umgerüstet. Bisher werden dort VW ID.3 und ID.4 gebaut. Mit dem Audi Q4 e-tron wird der Standort nun zu einem Mehrmarkenwerk. Im Sommer 2021 kommt noch der Q4 e-tron Sportback hinzu. Noch in diesem Jahr soll zudem die Produktion weiterer Modelle von VW, Audi und Seat anlaufen. Als Ziel hat der Vorsitzende der Geschäftsführung von Volkswagen Sachsen, Stefan Loth, 1400 Fahrzeuge pro Arbeitstag ausgegeben. Im Sommer soll es so weit sein.

Der Verkaufsstart sei nach der Premiere im April geplant. Das Unternehmen fertigt bereits batterieelektrische Autos an Standorten in Brüssel und nahe Neckarsulm; im kommenden Jahr soll auch im Stammwerk Ingolstadt ein rein elektrisches Modell produziert werden, das auf einer gemeinsam mit Porsche gefertigten Plattform gebaut werden soll. Ab dem kommenden Jahr sollen rund 300.000 Autos jährlich in Zwickau gebaut werden.

Die Rückkehr von Audi nach Zwickau sei "eine gute Nachricht für Sachsen – und für Audi", sagt Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD). Er verweist auch auf die Werke von Porsche und BMW in Leipzig. "Mit den Standorten Zwickau, Leipzig und Dresden entwickelt sich Sachsen zum E-Auto-Produktionsstandort Nr. 1 in Deutschland." Die Branche profitiere hier auch von der Nähe zum Cluster für Mikroelektronik und IT. Neben Elektroantrieben setze Sachsen aber auch auf Wasserstoff, betont Dulig: "Auch hier wollen wir an der Spitze mitfahren."

Im Juli 1910 wurde in Zwickau der erste Audi gebaut, nun kehrt das Unternehmen an seinen Ursprungsort zurück. Horch gehört zu den Begründern der Automobiltradition in Sachsen. 1909 gründete er im zweiten Anlauf in Zwickau ein Unternehmen, das ein Jahr später in "Audi" umbenannt werden musste. Nach dem Zusammenschluss mit weiteren sächsischen Fahrzeugherstellern 1932 wurden vier Ringe das Markenzeichen der Auto Union, die zum zweitgrößten Auto-Konzern des Deutschen Reiches aufstieg. Nach Opel, wie der Geschäftsführer des August Horch Museums, Thomas Stebich, erläutert.

Heinrich Fikentscher (im Bild der Familie: Zweiter von links) war der Namensgeber des Unternehmens Audi: August Horch durfte aus rechtlichen Gründen seiner zweiten Firma nicht wieder seinen eigenen Namen geben. Der 10-jährige Heinrich, Sohn seines Freundes Franz Fikentscher, schlug als neuen Firmennamen die lateinische Übersetzung für "horch", also "audi", vor.

(Bild: Audi)

Nach dem Zweiten Weltkrieg gingen der Vorstand und einige Ingenieure in die amerikanisch besetzte Zone. In Bayern gründeten sie das Unternehmen neu, zahlreiche Fachkräfte seien über die noch offene Grenze gefolgt, berichtet Stebich. "In Ingolstadt galt Sächsisch eine Zeit lang als zweite Amtssprache."

In Zwickau wurde auf dem einstigen Firmengelände später verschiedene Trabant-Ausführungen gebaut: P70, P50 und schließlich bis zum Juli 1990 der Trabant 601. Der Trabant 1.1 mit einem Viertakter aus dem VW Polo wurde noch bis zum April 1991 gefertigt. Seit Anfang der 1990er-Jahre produziert Volkswagen im Ortsteil Mosel.

(mfz)