Grünheide: Tesla-Chef fordert engen Zeitplan für Fabrikeröffnung
Überraschend kommt Tesla-Chef Musk wieder nach Deutschland und trifft sich mit Vertretern der Brandenburger Landesregierung – und stellt Forderungen.
Der Bau der Tesla-Fabrik in Grünheide macht Fortschritte – doch dem Chef geht es mit den Genehmigungen nicht schnell genug.
(Bild: dpa, Jörg Carstensen/dpa)
Tesla-Chef Elon Musk hat bei einem Deutschland-Besuch nach Angaben der Brandenburger Landesregierung auf den engen Zeitplan für den Start seiner neuen Fabrik gepocht – obwohl die Genehmigung fehlt. Musk habe deutlich gemacht, wie wichtig ihm die Einhaltung des engen Zeitplans sei, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) am Donnerstag der dpa.
Außerdem habe Musk seine Bereitschaft erklärt, die Kommunikation am Standort der Fabrik in Grünheide zu intensivieren. Der Unternehmenschef habe auch seine Forderung nach weniger Bürokratie bekräftigt. Im April hatte Musk unter anderem bemängelt, dass es 16 Monate nach dem Antrag noch keinen Zeitplan für eine Genehmigung des Fabrikbaus gab, obwohl die Landesregierung keine wesentlichen Gründe dagegen sieht. Umweltverbände haben bisher vergeblich versucht, vor Gericht einen Baustopp zu erwirken.
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500.000 Autos und Batterien
In Grünheide bei Berlin will Tesla rund 500.000 Autos im Jahr bauen. Ursprünglich sollte die Produktion schon im Juli beginnen, inzwischen steht aber das Jahresende als Termin im Raum. Die Verzögerung geht unter anderem auf eine Ergänzung des Antrags auf Genehmigung zurück – denn in Grünheide soll auch eine Batteriefabrik entstehen. Die umweltrechtliche Genehmigung durch das Land Brandenburg steht bisher aus. Wann sie kommt, ist noch offen. Tesla baut deshalb bisher über vorzeitige Zulassungen.
Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) sagte am Donnerstag, es sei "ein gutes und konstruktives Gespräch" mit Musk gewesen. Wirtschaftsminister Steinbach twitterte am Mittwochabend: "Sehr entspanntes abendliches Treffen." Dazu stellte er ein Foto von Musk im schwarzen T-Shirt und mit Halstuch. "Wir haben uns vertrauensvoll über die noch anstehenden Aufgaben ausgetauscht", schrieb Steinbach.
Produktionsstart bisher unklar
Der Zeitplan für den Produktionsstart ist bisher unklar – möglicherweise kommt ein weiterer öffentlicher Erörterungstermin für Kritiker des Vorhabens hinzu. Gegen den Bau der Fabrik sind nach der erneuten öffentlichen Auslegung der Pläne bisher allerdings nur 44 Einwendungen beim Brandenburger Landesamt für Umwelt (LfU) eingegangen, die Frist für Einwendungen endet am 19. August. Bei der ersten Auslegung der Unterlagen im vergangenen Jahr waren nach Angaben der Behörde 373 Einwendungen eingegangen, bei einer zweiten Auslegung 110.
Am Freitag will Unionskanzlerkandidat und CDU-Chef Armin Laschet die Baustelle der sogenannten Tesla-Gigafactory besuchen. Ob Musk dabei sein wird, war unklar. Tesla äußerte sich über den Besuch des Unternehmenschefs zunächst nicht. Musk war am Mittwochabend auf dem Flughafen Berlin-Brandenburg gelandet. Er reiste mit Famlie an und traf sich danach überraschend mit Vertretern der brandenburgischen Landesregierung in Berlin.
(vbr)