Auto-Chips: Intel-CEO rührt die Werbetrommel für europäische Halbleiterwerke

Der Kostenanteil von Halbleiterbausteinen für die Premium-Autoproduktion soll bis 2030 auf 20 Prozent steigen. Intel will Chips direkt in Europa produzieren.

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(Bild: Intel)

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Mit der steigenden Komplexität von Autos und deren Assistenzsystemen werden auch die Anforderungen an die verbauten Halbleiterbauelemente steigen. Intel glaubt, dass Siliziumchips bis zum Jahr 2030 mehr als 20 Prozent der Produktionskosten eines Premium-Autos ausmachen werden. 2019, vor Beginn der Coronavirus-Pandemie und damit einhergehend der weltweite Chipmangel, sollen es 4 Prozent gewesen sein.

Intels Mitteilung kommt nicht zufällig: Die Firma sucht derzeit nach einem Standort für eine europäische "Mega-Fab", also ein Halbleiterwerk mit besonders hoher Produktionsmenge. In Europa ist die Automobilbranche verwurzelt – also spricht man genau diese an, um das Vorhaben voranzutreiben.

Etwa 11 Prozent des Gesamt-Halbleitermarktes sollen Bauelemente der sogenannten Automotive-Klasse bis 2030 ausmachen. Prognosen zufolge wären das rund 115 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 97 Milliarden Euro im Jahr. Laut Intels Chef Pat Gelsinger liegt das an der "Digitalisierung von allem" – "allgegenwärtige Datenverarbeitung, pervasive Konnektivität, Edge-to-Cloud-Infrastruktur und Künstliche Intelligenz."

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Ein Auto benötigt in Zukunft demnach mehr Steuereinheiten, Sensoren und leistungsstärkere Prozessoren zum Verarbeiten von Daten, etwa für das autonome Fahren. Stand heute verbauen Autohersteller hauptsächlich Chips mit Strukturen von 28 Nanometern und gröber. So alte Prozesse will Intel in neuen Halbleiterwerken aber nicht mehr auflegen und daher neue Technik für mehr Leistung schmackhaft machen.

Bis zum Jahresende will sich Intel für einen Standort in Europa entscheiden. Es gab rund 70 Bewerbungen, darunter die meisten aus Deutschland, die Intel inzwischen auf etwa 10 eingegrenzt hat. Erst am 07. September 2021 traf sich Gelsinger mit der deutschen Kanzlerin Angela Merkel. Abseits von etwa 5 km² Fläche hat Intel vier Anforderungen: "Wir brauchen genügend Elektrizität, Wasser, Talente und Anreize", sagte Gelsinger im Interview mit der FAZ.

Mit Anreizen meint er staatliche Förderungen, die auch in Asien üblich sind. 20 bis 30 Prozent müssten das Land und die EU übernehmen, um das Unterfangen profitabel zu machen. Im ersten Schritt will Intel für 20 Milliarden Euro zwei Fertigungshallen nebeneinander bauen, die also mit bis zu 6 Milliarden Euro bezuschusst werden müssten. In den folgenden 10 Jahren sollen bis zu sechs weitere Komplexe zu je 10 Milliarden Euro am selben Standort folgen. Das zusammen ergibt die Mega-Fab. Die EU ist grundsätzlich bereit, riesige Milliardenbeträge bereitzustellen.

Für den ausgewählten Standort springt dabei neue Wirtschaftskraft heraus. Intel will in jedem der bis zu acht Fab-Komplexe 1500 Arbeitsstellen schaffen. Auf jede eigene Arbeitsstelle kämen zudem zwischen fünf und zehn externe Arbeitsplätze, etwa bei Zulieferern und Dienstleistern. Zudem will man durch Zusammenarbeit lokale Universitäten und Forschungsinstitute fördern.

Abschließend sagte Gelsinger: "Die Asiaten machen die Spielregeln – und da muss man entscheiden: Akzeptiert man die – ja oder nein. Wenn wir unsere Mega-Fab in Europa bauen, wenn wir mit ihr die neuesten Chiptechnologien herbringen, muss sich das für uns auch rechnen. Denn wir müssen damit auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähig sein – und zwar nicht nur technologisch, sondern auch kostenseitig. Andernfalls können wir es hier nicht machen."

(mma)