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Was war. Was wird.

Der Tag des Programmierfehlers, der Tag des Admin -- man soll die Feiertage feiern, wie sie fallen. Da können auch Rate-Bobos und PR-Flaks die Stimmung nicht trüben, meint Hal Faber.

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Von
  • Hal Faber

Wie immer möchte die Wochenschau von Hal Faber den Blick für die Details schärfen: Die sonntägliche Wochenschau ist Kommentar, Ausblick und Analyse. Sie ist Rück- wie Vorschau zugleich.

Was war.

*** Beginnen wir heute mal mit dem beliebten Ego-Shooter "Welches Auto passt zu meinem Typ?" Das Ganze natürlich auf die Computerbranche bezogen, wo Bill "Road Ahead" Gates Ferrari fährt und Linus "Just for Fun" Torvalds Toyota. Nehmen wir einmal die Unbrechbaren von Oracle. Welches Auto passt zu Larry und Co? Natürlich BMW. "Beide Firmen stehen für modernstes Hightech und innovative Lösungen", flötet eine PR-Mitteilung, die in dieser Woche die "einzigartige Synergie beider Firmen" feiert. Natürlich beim Segeln: BMW und Oracle sind mit einer Yacht beim America's Cup dabei. Ja, lang ist es her mit den Zeiten, als BMW das Kürzel von "Bitte Mit Werkstatt" war. Jetzt ist alles unkaputtbar und liegt hart am Wind. Die Segel werden übrigens von Hewlett Packard gesponsort. Das ist die kurz tretende Firma, die sich stolz zur "teuersten Computer-Werbekampagne der Welt" bekennt, mit der für 200 Millionen Dollar neue Drucker am Markt "positioniert" werden. Den Unbrechbaren und nunmehr Unsinkbaren Datenbanklern von Oracle wünsche ich nicht Mast- und Schotbruch, sondern nur die richtige patriotische Einstellung.

*** Wo schlägt der Patriotismus in Nationalismus um? Wenn diese launigen Zeilen erscheinen, so gilt es an die weniger schönen Nachrichten, an das Heute vor 30 Jahren zu erinnern, als die IRA in 20 Minuten 20 Bomben zündete. Für diesen "Blutigen Freitag" als Reaktion auf einen "Blutigen Sonntag" zweieinhalb Jahre zuvor entschuldigte sich die IRA in dieser Woche mit einem Artikel in den An Phoblacht News. "Der Krieg ist vorbei", meinen manche in der Entschuldigung zu lesen. Andere lesen das Gegenteil. "Es ist das Schicksal dieser Insel, dass des Kriegens niemals Ende ist", notiert der am 21. Juli 1816 zu Kassel geborene Israel Beer Josaphat a.k.a. Julius Reuter im Jahre 1863, als er seine erste geheime Kabelverbindung zwischen Irland und England legen ließ. So konnte seine Agentur die Finanz-Nachrichten aus Amerika früher veröffentlichen als andere. 1883 schrieb Reuter an seine Agenten: "Jede Nachricht ist wichtig, meldet Feuer, Explosionen, Überschwemmungen, Eisenbahnunglücke, Stürme, Erdbeben, Schiffsunglücke mit Toten, Vorfälle auf Kriegsschiffen und Dampfbooten, Straßenaufstände, Duelle, Selbstmorde bekannter Personen und ungewöhnliche Morde." Reuters verkaufte seine Nachrichten an Zeitungen, träumte aber schon vom Kabel in jedem Haushalt.

*** Inmitten der Nachrichtenflut dieser Woche hat der Abgang von Ron Sommer und der Auftritt von Darth Sihler für einen besonders hübschen Schwall gesorgt, der längst nicht abgeklungen ist. Unter den Nachrichten, die dabei zu kurz gekommen sind, befindet sich eine, an der Julius Reuter seine helle Freude gehabt hätte. Telekoms PR-Chef Jürgen Kindervater, dessen "letztes Gefecht" die Werbetexter von W&V mit Tränen beschreiben, hatte nach wacheren Berichten der Tagespresse mit Beiräten von Spiegel, Focus, dem obligaten Digi-Glotz und anderen ein Meinungskartell aufgezogen, in dem genau geregelt wurde, was über die Telekom geschrieben werden durfte und was nicht, in dem auch besprochen wurde, wer die lukrativen Telekom-Anzeigen bekam und wer nicht. Im Unterschied zu den Preisabsprachen greift keine Kommission ein, wenn Meinungsabsprachen den Markt verzerren.

*** Unter Wirtschaftswissenschaftlern ist die Entrüstung groß, dass die Spekulationsblase der Dot.com-Ökonomie nicht einmal so ordentlich platzt, wie es die Gesetze der Physik gebieten würden. Für solche Weisheiten ist die Physik aber nicht zuständig. Das ist eher Sache von David Brooks, der mit seinen Untersuchungen die Bobos entdeckte und nun erklärt, warum die kreative Bobo-Buchführung bei Firmen wie Enron funktionierte. Natürlich sind die 68er und ihre Regelverletzungen dran schuld. Wie soll ein kleiner blöder Bobo wissen, welche Regeln nicht gebrochen werden dürfen? Und, wenn schon Regeln gebrochen werden, ist das auch eine Kunst. Schließlich sei daran erinnert, dass diese Blase noch lange nicht geleert ist. Wenn Firmen unter Studenten Geschäftsführer auf Praktikumsbasis suchen, dann dürfen wir noch manchen Witz erleben.

*** Am 19. und 20. Juli 1952 wurden auf den Radarschirmen der Fluglotsen im Raum Washington ungewöhnliche Flugbewegungen registriert. UFO-Schwärme landeten in den gesamten USA. Ein Haufen populärwissenschaftlicher Erklärungen wurden unter das Volk gestreut, etwa die von der Reflexion von Radarwellen an Inversionsschichten in der Luft. Donald E. Keyhoe schrieb sein Buch "Der Weltraum rückt uns näher" und jedem Verständigen war klar, dass SIE unter uns sind. Von diesen aufregenden Nachrichten ist 50 Jahre später wenig bekannt, ein klarer Fall von Gehirnwäsche. Nun häufen sich die Zeichen, dass Großes bevorsteht, auch wenn es der übliche Stuss aus Hollywood ist. Ist der Eifer nicht verdächtig, mit dem man ans Übersetzen geht, mit dem die Codes untersucht werden, die gleich nebenan im Kornfeld zu finden sind? Das ist ja das Furchtbare: Kaum trinkt man mit IHNEN eine Tasse Kaffee, ist man verloren und ausspioniert. In Nordrhein-Westfalen ist das gute Alienative Praxis, wie es das Beispiel von Bielefeld beweist. Und wer Bielefeld nicht kennt, dem empfehle ich Berlin.

*** Wer arbeitet am Sonntag, wenn nicht die Lehrer? Heute beginnt zu Dortmund die Konferenz zu sozialen, ethischen und kognitiven Fragen des Computereinsatzes in Schulen, in deren Rahmen die Aktion "Schulen ans Netz" ein kleines Baby kriegt. LL, der Laptop-bestückte Lehrer, soll kommen und mit seinem modernen Henkelmann den Unterricht in die Neuzeit katapultieren. Wenn auf dieser Konferenz morgen Frau Ministerin Bulmahn einen Laptop für jeden Lehrer wie angekündigt fordern sollte, dann bleibt der Wunsch, dass die Lehrer offen auch auf der Ebene der Texte unterrichten können -- falls dazu überhaupt Laptops nötig sind.

Was wird.

Was macht eigentlich den Montag so attraktiv, dass sich PriceWaterhouseCoopers Consulting, die größte verbliebene Ansammlung von Rate-Bobos, unbedingt in "Monday" umbenennen möchte? Der kommende Montag ist auf alle Fälle ein wichtiges Datum, wird doch der 22. Juli seit 1962 als "Internationaler Tag des Programmierfehlers" gefeiert. Damals startete in Cape Canaveral die Mariner 1, die kurz danach vom Kurs abkam und gesprengt werden musste. Lange vor dem Programmierfehler der Ariane 5, die die "automatisch skalierte" Software der Ariane 4 übernehmen durfte, zeigte sich der helle Wahnsinn unserer Branche sehr früh. Die meisten Berichte behaupten, dass in einer Fortran-Schleife ein Komma vergessen wurde, doch läuft alles auf einen simplen Schreibefehler hinaus, wie er hier in meinen Texten häufig vorkommt, doch keinen Rohrkrepierer erzeugt. Mein Vorschlag: Den 22.7. zum ultimativen Stop-If oder Alt-F4-Day zu erklären, zum Tag, an dem die Programmierer frei haben und wir anderen ihnen hübsche Geschenke bringen, sie zu einer Pizza einladen oder einfach nur "ganz lieb knuddeln".

Der andere ultimative Feiertag kommt gleich danach. Am Freitag knuddeln wir unsere Admins, die über Netware-, Windows 2000- und Linux-Server wachen, ihnen zart das Rack kraulen und uns ab und an die Passwörter klauen. Seid lieb zu euren Admins, denn die Folgen können hart sein. Ein "so genannter Netzwerker, der für das Konfigurieren der Computer zuständig war" mopste die Materialien, die schlussendlich den Scharping in den Besenwagen der Tour de Schröder steckten. Möglicherweise war all das nur ein gelungenes Wahl-Manöver vom CDU-Mann Hunzinger, der das Getue der PR-Berater auf das Wesentliche reduzieren konnte. Doch das sollte niemanden irritieren. Hail to the Admin!!!

Was wird, das ist ĂĽbrigens nur eine Frage der richtigen Geldanlage. Fesche GrĂĽĂźe in das Jahr 4891. (Hal Faber) / (jk)