MobilCom sagt auĂźerordentliche Hauptversammlung ab
Wegen der Befürchtung, dass die zu erwartenden Auseinandersetzungen zwischen den Aktionären und der Gesellschaft eine Rettung des Konzerns gefährden könnten, findet die Versammlung am 17. Oktober nicht statt.
Die MobilCom AG hat die für den 17. Oktober geplante außerordentliche Hauptversammlung abgesagt. Es bestehe die ernsthafte Befürchtung, dass die bei der Hauptversammlung zu erwartenden Auseinandersetzungen zwischen den Aktionären und der Gesellschaft eine Rettung des Konzerns gefährden könnten, hieß in einer am Mittwoch im Bundesanzeiger veröffentlichten Mitteilung. Ein Konflikt könne auch von Nachteil für die weiteren Verhandlungen sowie die in Aussicht gestellte finanzielle Unterstützung sein.
Die außerordentliche Hauptversammlung war auf Antrag der Millennium GmbH einberufen worden. Hinter der Gesellschaft steht die Ehefrau von MobilCom-Gründer Gerhard Schmid, Sybille Schmid-Sindram. Die Millennium GmbH hält rund 10 Prozent an der MobilCom AG.
Chronik eines Absturzes: Der steile Fall der MobilCom
In zweieinhalb Jahren hat die 1991 gegründete MobilCom den steilen Absturz vom umjubelten Börsenstar zum Pleitekandidaten durchlebt.
20. März 2000: Die MobilCom-Aktie erreicht mit 199 Euro den historischen Höchststand - eine Steigerung auf das 120fache des Ausgabekurses.
23. März 2000: France Telecom übernimmt 28,5 Prozent der MobilCom-Aktien und zahlt dafür 3,7 Milliarden Euro.
17. August 2000: MobilCom ĂĽbernimmt fĂĽr 8,4 Milliarden Euro eine der sechs UMTS-Lizenzen in Deutschland.
04. April 2001: France Telecom sagt MobilCom ein Darlehen von maximal zehn Milliarden Euro zum Aufbau eines UMTS-Netzes zu.
Anfang 2002: Es kommt zum Streit zwischen MobilCom-Gründer Gerhard Schmid und der France Telecom. Dabei geht es um die zugesagten Kredite für das UMTS-Netz, zum anderen um umstrittene Aktiengeschäfte von Schmids Ehefrau.
20. März 2002: MobilCom weist Verluste von 200 Mio Euro für 2001 aus. Der offene Machtkampf zwischen Schmid und France Telecom lässt den Aktienkurs auf 15 Euro stürzen.
25. März 2002: Schmid kündigt seinen Ausstieg bei MobilCom und den Verkauf seines Aktienpakets an. "Mein Job ist erledigt." France Telecom nimmt die Aktien jedoch nicht ab.
30. Mai 2002: MobilCom-Hauptversammlung verweigert Schmid die Entlastung.
11. Juni 2002: France Telecom kĂĽndigt den Kooperationsvertrag mit MobilCom aus dem Jahr 2000. Der Aktienkurs steht bei sieben Euro.
21. Juni 2002: Finanzvorstand Thorsten Grenz wird vom Aufsichtsrat als Nachfolger Schmids bestellt. Der Gründer muss das Unternehmen verlassen, bleibt aber größter Einzelaktionär.
28. August 2002: MobilCom verklagt die Firma Millenium von Schmids Ehefrau Sybille Schmid-Sindram. Schmid klagt seinerseits gegen MobilCom und France Telecom.
12. September 2002: France Telecom stellt seine UnterstĂĽtzung fĂĽr MobilCom ein. Das Unternehmen steht vor der Insolvenz.
15. September 2002: Das Bundeswirtschaftsministerium sagt dem angeschlagenen Mobilfunk-Unternehmen Kredite bis zu 400 Millionen Euro zu. Kreditgeber sollen die Kreditanstalt fĂĽr Wiederaufbau und die Schleswig-Holsteinische Landesbank sein.
27. September 2002: MobilCom-Chef Thorsten Grenz stellt ein Sanierungsprogramm vor. Danach sollen 1850 Vollzeitstellen -- fast die Hälfte aller Stellen -- gestrichen werden. (dpa) / (anw)