US-Börsenaufsicht klagt gegen Lernout & Hauspie

Beim insolventen belgischen Sprachenspezialisten wurde zwischen 1998 und 2000 massiv jenseits der Legalität getrickst, meint die SEC.

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Die US-amerikanische Börsenaufsicht SEC klagt beim U.S. District Court des District of Columbia gegen Lernout & Hauspie (L&H). Der mittlerweile bankrotte belgische Sprachenspezialist soll seine Bilanzen gefälscht und somit Betrug begangen haben. L&H soll zwischen 1996 und 1999 mehr als 60 Millionen US-Dollar Umsatz aus Geschäften mit zwei belgischen Unternehmen falsch verbucht haben. Außerdem sollen zwischen September 1999 und Juni 2000 aus Geschäften in Südkorea etwa 175 Millionen US-Dollar Umsatz ausgewiesen haben, die die Kunden wegen Absprachen der L&H Korea nie hätten zahlen müssen.

Die Liste der Vorwürfe geht aber noch weiter. Ende 1998 und 1999 soll L&H Wachstum vorgetäuscht haben, indem das Unternehmen "Language Development Companies" als Kunden angab. Bei diesen "Companies" soll es sich aber um Scheinfirmen gehandelt haben, die L&H eigens gegründet haben soll, um die Statistik aufzublähen. Die Machenschaften kamen Ende 2000 ans Tageslicht, das Unternehmen beantragte Gläubigerschutz und es rollten in der Führungsetage Köpfe. Der Kurs der L&H-Aktie, der im März 2000 noch 72,50 US-Dollar betragen hatte, sank bis zum 29. Dezember 2000 auf nur noch 0,76 US-Dollar. Das Papier wird mittlerweile nur noch als "Pink-Sheet" gehandelt.

Durch die Klage gibt es eine späte Quittung für die Vergehen bei L&H. Bis zum Bilanzskandal um das Telecom-Unternehmen WorldCom war es auch für die SEC nicht üblich, mit Ziviklagen gegen Bilanztricksereien vorzugehen. (anw)