Otto Group wagt das Auktionsgeschäft

Der Hamburger Handelskonzern stellt Wagniskapital für die Gründung einer neuen Auktionsplattform zur Verfügung. DealStreet.de soll Versteigerungen mit einem Direktverkaufsmodell verbinden.

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Dem Onlinehandel gehört die Zukunft, auch bei der Hamburger Otto Group, die noch als Katalogversender unter die größten Handelskonzerne der Welt aufgestiegen ist. Nicht erst seit im vergangenen Geschäftsjahr der Onlineverkauf Otto erstmals höhere Umsätze als der klassische Versandhandel bescherte, bemüht sich der Konzern um die Erschließung neuer Geschäftsfelder im Internet. Mehr als jeden zweiten Euro erzielt Otto bereits im E-Commerce, wie der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Dr. Rainer Hillebrand betont. Derzeit nehme Otto hinter Amazon Rang zwei unter den weltgrößten Onlinehändlern ein.

Damit die Handelsgruppe in Zukunft noch stärker vom Onlinegeschäft profitieren kann, stellt die Otto Group über den eVenture Capital Partners Fund Wagniskapital für die Unterstützung von Nachwuchsunternehmen im Bereich "Digital Business" zur Verfügung. Auch wenn Otto als maßgeblicher Geldgeber – als sogenannter Ankerinvestor – hinter eVenture Capital Partners stehe, agiere das Unternehmen vollkommen eigenständig am Markt und nicht als verlängerter Beteiligungsbereich der Otto Group, wie es in der Selbstdarstellung ausdrücklich heißt. Mit Rainer Hillebrand und Jürgen Schulte-Laggenbeck zählen aber zumindest zwei hochrangige Otto-Vorstände zum "Team" des eVenture Capital Partners Fund, die unter anderem für strategische Bereiche wie Vertrieb, E-Commerce, Finanzen und IT verantwortlich sind.

Unterstützt durch die Wagniskapitalgesellschaft geht nun eine neue Auktions- und Shopping-Plattform mit dem Namen DealStreet an den Start. Das Portal soll den Trend zu "erlebnisorientierten Shoppingmodellen" aufgreifen, erklärt Andreas Haug, Managing Director und Partner bei eVenture Capital Partners: "Mit DealStreet können Online-Käufer ihren Kaufprozess mit dem Nervenkitzel von Auktionen und der Chance auf echte Schnäppchen bereichern." Die von der Berliner Upside Shopping GmbH betriebene Plattform vertraut dabei allerdings auf ein nicht unumstrittenes Auktionsmodell, bei dem der Bieter zunächst Gebote kaufen muss. Für ein Gebot, dass in der eigentlichen Auktion 10 Cent Wert ist, bezahlt der Bieter vorab 50 Cent.

Wegen des glücksspielartigen Charakters steht diese Auktionsform, die bereits in ähnlicher Form von einschlägigen Plattformen (darunter tencents, centgebote, Swoopo und andere) genutzt wird, jedoch in der Kritik. Denn der unbedarfte Bieter läuft Gefahr, einen weit überhöhten Preis für die ersteigerte Ware zu bezahlen oder eben schlichtweg eine Menge Geld zu verlieren, sofern er nicht den Zuschlag bekommt. An dieser Stelle komme aber das "faire, innovative Shopping-Format" von DealStreet zum Tragen, erläutert eVenture-Manager Haug: "Jeder der eine Auktion nicht gewinnt, kann beim Direktkauf seine Gebotsgebühren erstattet bekommen." In diesen Fällen kann das betreffende Produkt dann zu einem Preis erworben werden, der sich an der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers orientiert. Den Differenzbetrag zwischen den Kosten für die Gebote und den "Gebotsgebühren" – also dem in der Auktion gesetzten Geld – riskiert der Bieter dennoch in jedem Fall. Pro 10-Cent-Gebot sind dies immerhin 40 Cent.

Hauptinvestor eVenture Captial Partners und die dahinter stehende deutsche Otto Group begeben sich mit dem Engagement bei DealStreet in ein möglicherweise hoch profitables Geschäftsfeld des E-Commerce, das aber aufgrund seiner glücksspielartigen Züge zumindest unter moralischen Gesichtspunkten fragwürdig erscheint. Auch wenn sich bereits verschiedene Gerichte mit der Zulässigkeit solcher Auktionsformate auseinandergesetzt haben, liegen rechtskräftige Urteile gegen vergleichbare Angebote oder gar Verbote hierzulande bisher nicht vor. Im Hinblick auf den Erfolg von DealStreet zeigt sich eVenture-Manager Haug erwartungsgemäß zuversichtlich: "Wir sind überzeugt, dass sich DealStreet als ein innovatives Shopping-Format in einem E-Commerce-Segment mit enormem Wachstumspotenzial etablieren wird." (map)