"Wer nicht wirbt, der stirbt" - Was IT-Unternehmen von Totengräbern lernen können

Seien wir ehrlich: Gar nicht zu werben, ist keine Option. Auch nicht für den IT-Handel. Die wichtige Frage ist, wie man mit dem eingesetzten Geld das beste Ergebnis erzielt. Andere Branchen diskutieren das auf einem Kongress.

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Von
  • Damian Sicking

Henning Meyer, Geschäftsführer MR-Systeme

(Bild: MR Systeme)

Lieber Systemhaus-Unternehmer Henning Meyer,

in dieser Woche, am 17. und 18. September, lädt die Synaxon AG zu ihrer jährlichen "Leitmesse" nach Bielefeld ein. Der Kongress "synIT 2009" dürfte sich für IT-Händler und Systemhäuser auch in diesem Jahr wieder lohnen, nicht nur wegen des prominenten und inspirierenden Gastredners Prof. Dr. Gunter Dueck. Allerdings: Zur gleichen Zeit findet rund 400 Kilometer weiter östlich, in Berlin nämlich, eine Veranstaltung statt, die vielleicht sogar noch interessanter ist: Der Kongress "Wer nicht wirbt, stirbt! – Werbung in der Bestattungsbranche". Es wundert mich überhaupt nicht, dass die Veranstaltung "mit 250 Teilnehmern bis auf den letzten Platz ausgebucht ist", wie die Organisatoren im Vorfeld mitteilen.

Das Tagungsprogramm des Totengräberkongresses ist sehr lebendig und enthält einige Themen zu Marketing, PR und Werbung, mit denen sich auch die Unternehmen der IT-Branche beschäftigen bzw. beschäftigen sollten. Gerade jetzt in der Krise stellt sich ja die Frage: Wie hält es eigentlich die IT-Branche mit der Werbung? Soll man sparen oder lieber gerade jetzt investieren, antizyklisch, wie der Fachmann sagt. Und wenn, was soll man tun: Print, online, soziale Netzwerke, Direktmailing, Plakate, und was ist mit dem Thema "Empfehlungsmarketing", um das ja derzeit so ein großes Gewese gemacht wird. Vor allem interessant ist auch die Frage: Was kann der Händler vor Ort mit kleinem Budget tun und wer kann ihm dabei helfen? Vielleicht wäre ein Kongress zu Werbung und Marketing in der IT-Branche heute genauso fällig wie in der Bestatterbranche, was meinen Sie? Mal nicht der übliche Kongress mit dem Thema "Mit welchen Produkten können Sie im nächsten Jahr Geld verdienen?" sondern zum Thema "Wie können Sie Ihre Leistungen marketingtechnisch besser an den Mann bringen?"

Dabei darf man sich ruhig ein weiteres Beispiel nehmen an den Trauerhelfern. Die hatten nämlich im Vorfeld ihres Kongresses einen Wettbewerb über gute Werbung ausgeschrieben. Die Gewinner werden jetzt auf dem Kongress ausgezeichnet. Dabei sind eine ganze Reihe von kreativen und unkonventionellen Ideen entstanden. Das täte auch der IT-Branche gut. Denn mal Hand aufs Herz: Das meiste, was heute unter Werbung von IT-Unternehmen daherkommt, ist doch eher nüchtern und, ja, man muss es sagen, uninspiriert und langweilig. Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Was TV-Werbung betrifft, so hat einmal mehr die Firma Apple mit der "Think-different"-Kampagne Maßstäbe gesetzt. Glänzend auch die aktuelle TV-Werbung von Intel "Unsere Rockstars sind nicht wie Ihre Rockstars" (featuring Ajay Bhatt, einer der Erfinder des USB). Echt klasse! Richtig gut finde ich auch nach wie vor den Werbeslogan des Versenders Conrad aus den 90er-Jahren: "Mit PCs ist es wie mit Frauen – wichtig ist, dass sie gut gebaut sind." Klar ist das eine Provokation, aber das ist ja nicht verkehrt, wenn es um Werbung geht, oder?

Zum Thema Slogans habe ich übrigens im Internet eine ganz interessante Seite gefunden. Unter der URL slogans.de findet man jede Menge Claims auch aus der Computerbranche. Leider sind nur die ersten zehn Treffer kostenlos, wer mehr haben will, muss zahlen.

Ich denke, dass Werbung in der IT-Branche nicht nur ein Thema der Industrie und der großen System- und Handelshäuser ist. Auch der viel zitierte, aber unbekannte kleine Händler um die Ecke und der Einzelkämpfer unter den Dienstleistern muss auf sich und seine Leistungen aufmerksam machen. Das Mindeste ist, dass man den Leuten und potenziellen Kunden mitteilt, dass man da ist. Das Mittel dazu kann zum Beispiel eine Postwurfsendung in der Nachbarschaft sein, das Direktmailing an die Gewerbebetriebe in der Stadt, das kann ein Eintrag im Händlerverzeichnis auf der Internetseite der Herstellerpartner sein, das kann aber auch die Präsenz in Händlerverzeichnissen wie dem "IT-Markt" auf Heise.de sein.

Lieber Herr Meyer, Ihr Unternehmen, das Systemhaus MR-Systeme in Höxter und Hannover, ist seit vielen Jahren Akcent-Mitglied und gehört damit zum Synaxon-Verbund. Als Akcent-Beiratsmitglied werden Sie sicherlich in der kommenden Woche auf dem Synaxon-Kongress in Bielefeld sein. Obwohl Sie sich, wie ich weiß, auch sehr für das ganze Thema Marketing und Werbung interessieren und daher vermutlich auch beim Kongress der Bestattungsunternehmer in Berlin Mäuschen spielen würden. Aber wer weiß: Vielleicht schaffen wir es ja, einen Marketingkongress speziell für die IT-Branche auf die Beine zu stellen. Wären Sie dabei?

Beste Grüße!

Damian Sicking

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