Oracle an Peoplesoft: Wenn Ihr uns ärgert, kaufen wir Euch nicht

Der Datenbank-Riese Oracle drängt auf eine einstweilige Verfügung, um überdimensionale Rabattversprechen des Softwarehauses Peoplesoft zum Selbstschutz gegen das feindliche Übernahmeangebot zu stoppen.

vorlesen Druckansicht 86 Kommentare lesen
Lesezeit: 2 Min.
Von
  • Hans-Peter Schüler

Der Datenbank-Riese Oracle drängt auf eine einstweilige Verfügung, um überdimensionale Rabattversprechen des Softwarehauses Peoplesoft zum Selbstschutz gegen sein feindliches Übernahmeangebot zu stoppen. Wenn der Peoplesoft-Vorstand weiterhin "Grabenkrieg-motivierte Selbstbedienungs-Verträge" ausstellen dürfe, sehe sich Oracle "gezwungen, sein Übernahmeangebot fallen zu lassen, weil es dann wirtschaftlich nicht mehr vernünftig sei", erklärte Oracle in einem Schreiben an das Handelsgericht Delaware. Die Ellison-Company hatte dort bereits im Sommer einen Gerichtsbeschluss gegen Peoplesofts so genannte Giftpille beantragt, die daraufhin angesetzte Tatbestandsaufnahme soll sich aber bis Ende November hinziehen.

Bislang kursierte die Erwartung, Oracle-Chef Ellison werde den Konsequenzen von Peoplesofts Rabattpolitik, die Kunden im Falle einer Übernahme Rückerstattungen bis zur fünffachen Höhe des Software-Kaufpreises versprechen, mit einer hochgezogenen Augenbraue nachkommen. Mittlerweile hat der Übernahmekandidat aber durch eine Verlängerung seiner zeitlich begrenzten Rabattaktion dafür gesorgt, dass Oracle im Erfolgsfall mit stattlichen 800 Millionen US-Dollar Zusatzkosten rechnen muss -- Tendenz steigend. Kein Wunder, dass mittlerweile auch einige verkaufswillige Peoplesoft-Aktionäre mit einer solchen Klage gegen ihr Management vorstellig geworden sind.

Oracle könnte den Aufpreis angesichts seines aktuellen Gebots von 7,3 Milliarden US-Dollar und einer weit höheren Kreditlinie vermutlich durchaus verkraften. Doch ob die Situation überhaupt zum Tragen kommt, erscheint nach wie vor höchst zweifelhaft. Immerhin haben die Inhaber von rund 90 Prozent der umworbenen Peoplesoft-Anteile Oracle bislang die kalte Schulter gezeigt. Und weil die gefragten Aktien an der Börse seit Monaten mehr Geld wert sind als beim Verkauf an die Datenbankschmiede, ist keine grundlegende Veränderung dieser Lage in Sicht. Da kann sich der wortgewaltige Ellison über jeden Vorwand freuen, seine langfristigen Interessensbekundungen am weltweit zweitgrößten Hersteller von ERP-Software ohne Gesichtsverlust außer Kraft zu setzen. (hps)