Microsoft will auch 2004 nicht die Hände in den Schoß legen
Die Redmonder blicken auf eine ereignisreiches Jahr zurück und bieten einen kleinen Einblick in die nähere Zukunft.
Die ARD hat schon lange einen, das ZDF auch und mittlerweile rangeln auch die privaten Fernsehanstalten um die Gunst der Zuschauer, damit sie das vergangange Jahr Revue passieren lassen. Nun kommt auch Microsoft mit einem Jahresrückblick. Der Tenor der Parade an Produktneuigkeiten: Schon bevor Microsoft-Gründer und Chief Software Architect Bill Gates auf der Comdex im November Hoffnungen auf schrankenloses Computing gemacht hat, habe sein Unternehmen längst daran gearbeitet. Und 2004 wie die weiteren Jahre werde die Arbeit daran fortgeführt.
Das hätten die wichtigsten Veröffentlichungen wie Windows Server 2003, Visual Studio .NET 2003 und Microsoft Office 2003 gezeigt. Schließlich konzentriere sich Microsoft unter anderem auf den XML-Standard, wie zum Beispiel bei den XML Webservices und öffnet seine Formate für die Büro-Suite. Dass schrankenloses Computing auch buchstäblich gemeint sein kann, haben die Redmonder wohl mit dem Tablet PC intendiert, der sich aber in diesem Jahr etwas mühsam am Markt hielt.
Customer Relationship ist ein weiteres Stichwort für die Bemühungen des Softwareriesen in diesem Jahr, auch die Gunst der Unternehmen zu erheischen. Im Januar erblickte Microsoft Business Solutions Customer Relationship das Licht des Marktes. Bis Oktober habe das Unternehmen bereits 1000 Kunden für seine Software werben können. Für eine bessere Ausstattung der Unternehmenskunden soll auch das Business Solutions Business Portal sorgen, das im April online ging.
Aber auch in der jüngsten Mitteilung des Unternehmens wird das Schlagwort Trustworthy Computing nicht unterschlagen. Neben allen Neuentwicklungen und Initiativen, wie zum Beispiel jene mit AOL, Yahoo und anderen gegen die Verbreitung von Spam, habe Microsoft auch an der Sicherheit seiner Systeme gearbeitet. Das zeigten zum Beispiel Überlegungen zur Patchpolitik und die Ankündigung effizienterer und kleinerer Patches sowie Verbesserungen der Kundeninformationen. Im Oktober habe Microsoft außerdem zusammen mit der US-Behörde FBI ein auf 5 Millionen US-Dollar budgetiertes Anti-Virusprogramm gestartet, bei dem Kopfgelder für die Ergreifung von Virenautoren ausgesetzt sind.
Microsoft gestattet auch einen kleinen Einblick in das kommende Jahr. Das Unternehmen startet am 8. Januar neue Angebote für MSN-Kunden, die zum Beispiel MSN Video enthalten. Auch an der Mobilitätsfront arbeiten die Redmonder, indem sie zum Beispiel in der zweiten Hälfte des kommenden Jahres Software wie Portable Media Center liefern, eine Art mobiler Windows XP Media Center, mit dem Windows-XP-Nutzer allüberall auf ihre digitalen Medien zugreifen können sollen. Ebenfalls im Januar kommt endlich die Armband-Datenuhr mit Smart Personal Objects Technology (SPOT) in die Läden.
Für mehr Sicherheit soll auch der ISA Server 2004 sorgen, dessen öffentlicher Betatest Anfang 2004 startet. Mehr Komfort bei der Eingabe ist ein weiteres Dauerthema in Redmond. 2004 will Microsoft neue Spracherkennungssoftware veröffentlichen, die vor allem für Unternehmen gedacht ist. Vergangenen November startete bereits die öffentliche Betaphase von Microsoft Speech Server. Schließlich weist Microsoft auch auf die Beta 2 von "Yukon" hin, der neuen Version von SQL Server.
Viele "Visionen", von denen der Softwarekonzern getragen wird, wie die des Seamless Computing, bei denen verschiedene Geräte und Anwendungen auf einen Datenpool zugreifen können, sollen in ein Produkt einfließen, das frühestens im übernächsten Jahr erwartet wird: das kommende Windows mit Codenamen Longhorn. Eine Vorabversion ist im Oktober an Entwickler gegangen. Bevor Longhorn die Kunden erreicht, können sie sich in der Zwischenzeit mit den diveren Streitigkeiten und juristischen Auseinandersetzungen um Wettbewerbsbehinderungen, in die Microsoft verwickelt ist, die Zeit vertreiben oder den Zwist mit der Linux-Gemeinde beobachten. (anw)