Oracle im Wahlkampf um Peoplesoft

Der Softwarekonzern Oracle hat im Kampf um die Ăśbernahme des Mitbewerbers eigene Kandidaten fĂĽr dessen Vorstand zur Wahl nominiert.

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Von
  • Hans-Peter SchĂĽler

Wie angekĂĽndigt hat der Softwarekonzern Oracle im Kampf um die Ăśbernahme des Mitbewerbers Peoplesoft eigene Kandidaten fĂĽr dessen Vorstand zur Wahl nominiert.

Die proklamierte feindliche Ăśbernahme, mit der die Truppe um Oracle-Chef Larry Ellison seit Juni vergangenen Jahres das Unternehmen des Ex-Oracle-Mitarbeiters Craig Conway bedroht, tritt seit Anbeginn auf der Stelle. Bislang haben sich gerade einmal zehn Prozent der erforderlichen Aktienstimmrechte fĂĽr den Fusionsplan gewinnen lassen.

Man könnte argumentieren, das Übernahmeangebot, welches die Oracle-Strategen systematisch nicht oberhalb, wie üblich, sondern unterhalb des aktuellen Marktpreises der Peoplesoft-Anteile positionieren, sei für die Aktionäre einfach nicht attraktiv. Zum Wochenende schloss der Peoplesoft-Aktienkurs an der New Yorker Hightech-Börse Nasdaq mit einem Kurs von 22,57 US-Dollar. Oracle bietet den Aktionären pro Aktie dagegen nur 19,50 Dollar.

Oracle-Anhänger führen den Misserfolg jedoch auf Peoplesofts vorgeblich unlautere, Rabatt-getragene Verteidigungsstrategie zurück und versuchen diese mit allen Mitteln auszuhebeln. Außer rechtlichen Schritten kommen nun auch politische Anstrengungen zum Einsatz, um im Peoplesoft-Hauptquartier einen konzilianteren Kurs vorzugeben. Die vorgeschlagenen Gegenkandidaten -- zwei Wirtschaftsprofessoren amerikanischer Hochschulen, zwei Führungskräfte aus Anlagegesellschaften sowie ein Ex-Manager -- sollen die wahlberechtigten Anktionäre vermutlich durch ihre bisherigen Positionen überzeugen, dass sie nicht einfach nur Stimmvieh für Ellisons Transaktionsvorschläge sind. Vielmehr sollen sie wohl demonstrieren, dass sie die bessere Kompetenz für die Aktionärsinteressen vorweisen könnten. Wie viele Stimmberechtigte sich dieser Sichtweise anschließen, wird sich im Juni auf der Hauptversammlung des Übernahme-Dauerkandidaten herausstellen.

Ganz wohl scheint den gegenwärtigen Peoplesoft-Machthabern bei dem Gedanken nicht zu sein: Vier von den ursprünglich sieben Vorstandsmitgliedern stehen im Sommer zur Wiederwahl -- bei einem ungünstigen Wahlausgang könnte leicht eine Oracle-freundliche Mehrheit zustande kommen. Die Gegenwehr lag nahe: Kurz vor der Abstimmung wurde der Vorstand schnell auf acht Mitglieder erweitert, ohne dass der "Neue", Michael Maples, freilich das Votum der Aktionäre gebraucht hätte. Oracle verlangt daher eine weitere Aufstockung des Vorstands auf neun Mitglieder, damit sich die Anteilseigner für eine Vorstandsmehrheit entscheiden können, die ihre Wünsche zum Management-Kurs repräsentiert. (hps)