FDP will Auftaumittel auf Zuckerbasis testen
Auftaumittel auf Zuckerbasis könnten nach Ansicht der Berliner FDP das Problem eisglatter Bürgersteige und knapper Streusalz-Vorräte lösen. Ein ideales Abtaumittel ist nicht in Sicht, und die Öko-Bilanz von Salz ist laut neuer Studien besser als gedacht
- ssu
Berlin, 12. Februar 2010 – Ein Auftaumittel auf Zuckerbasis könnte nach Ansicht der FDP-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus das Problem eisglatter Bürgersteige und fast verbrauchter Streusalz-Vorräte lösen. Dieses Mittel sei im Berner Oberland bereits erfolgreich eingesetzt worden, erklärte FDP-Fraktionschef Christoph Meyer. Laut einem Bericht im Berner Oberländer wird auf der Autobahn bei Interlaken ein Auftaumittel eingesetzt, bei dem auf 1 Tonne Salz 20 Liter eines Abfallprodukts aus der Zuckerherstellung sowie Wasser vermischt werden. Den "schon viel zu lange untätigen Senat" forderte Meyer auf, solche Alternativen auf Berlins vereisten Bürgersteigen zu testen. Der Senat müsse alle Möglichkeiten nutzen, "um die glättebedingten Verletzungsgefahren und die inakzeptablen Mobilitätseinschränkungen für Senioren und Behinderte in Berlin abzustellen", betonte Meyer.
Salzmangel: Fluch oder Segen?
Auch andernorts füllen sich Arztpraxen und Krankenhäuser mit Glätteopfern, während die Salzvorräte der öffentlichen Hand zur Neige gehen. So mahnte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) eine genaue Dosierung der Abtaumittel an. Nach Möglichkeit sollten Alternativen wie Splitt oder Sand eingesetzt werden. Backhaus fügte aber hinzu, dass die öffentliche Sicherheit garantiert werden müsse. Backhaus reagierte damit auf die Kritik von Umweltschützern. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation BUND schädigt das Streusalz die Bäume. Die Wasseraufnahme der Pflanzen werde erschwert. Die Blätter würden kleiner als gewöhnlich, dadurch sei die Photosynthese eingeschränkt.
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Sind Auftaumittel auf Zuckerbasis eine sinnvolle Alternative zu Splitt und Streusalz?
Kein ideales Abtaumittel in Sicht
Man darf gespannt sein, wie die Tier- und Pflanzenwelt auf den großflächigen Einsatz von Auftaumitteln auf Zuckerbasis reagiert. So gibt ein im Auftrag des Bundesumweltministeriums (BMU) erstellter Forschungsbericht zu bedenken, dass zum Beispiel der Einsatz von Glykol (ein zweiwertiger Alkohol mit süßlichem Geschmack) im Winterdienst aufgrund seiner "sehr hohen Nährstofffracht" zu erheblichen Belastungen im Grund- und Oberflächenwasser führen könne.