Benzin wieder teurer

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Die Benzinpreise sind wieder auf Höhenflug und sorgen an den Zapfsäulen für Unmut bei den Verbrauchern. Getrieben von einer stärkeren Nachfrage und von Spekulationen an den Warentermin-Märkten sprang der Preis für einen Liter Super-Benzin zuletzt auf ein neues Jahreshoch knapp über 1,40 Euro. Der Automobilclub ACE forderte "von der Politik Maßnahmen gegen Wucherpreise und Ölpreisspekulanten". Rohstoffexperten erklärten die hohen Benzinpreise unter anderem auch als Spätfolge der staatlichen Abwrackprämie.

Ein Blick auf die jüngste Entwicklung der Rohölpreise und der Preise an den Zapfsäulen wirft derzeit einige Fragen auf: Als die Ölpreise vor etwa zwei Jahren ihr Rekordhoch bei 150 US-Dollar je Fass erreichten, kostete ein Liter Superbenzin nur wenig mehr als heute. Dabei steht der Preis für Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) derzeit nur bei etwa 81 Dollar. Für die Preisentwicklung an den Zapfsäulen "gibt es keine marktwirtschaftlich begründete Erklärung", kritisierte der Präsident des Automobil Clubs Europa (ACE), Wolfgang Rose, in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung (Donnerstag). Nach Einschätzung des ACE gibt es keinen vernünftigen Grund, die Preise für Kraftstoffe weiter zu erhöhen. "Wir sehen vielmehr reichlich Spielraum nach unten", sagte Rose.

Dagegen rechtfertigt der Mineralölwirtschaftsverband den aktuellen Höhenflug der Spritpreise erneut mit deutlich höheren Einkaufspreisen am Großmarkt für Benzin in Rotterdam. Nach Einschätzung des Rohstoffexperten Eugen Weinberg von der Commerzbank ist die Nachfrage nach Benzin in den vergangenen Monaten gestiegen und hat somit die Einkaufspreise in Rotterdam und damit auch die Preise an den Zapfsäulen nach oben getrieben. Anders als beim Rekordhoch bei den Spritpreisen im Jahr 2008 gebe es diesmal einen deutlichen Unterschied bei den Preisen für Benzin und Diesel, sagte Weinberg. Diesel ist derzeit etwa 20 Cent günstiger zu haben als Benzin.

Der Commerzbank-Experte sieht in dieser Preisentwicklung unter anderem eine direkte Folge der staatlichen Abwrackprämie im vergangenen Jahr. Im Zuge der staatlichen Förderung von 2500 Euro für einen Neuwagen hätten die Verbraucher in aller Regel bei Autos mit Benzinmotoren zugegriffen. Dies habe zu einer stärkeren Nachfrage nach Benzin an den Tankstellen geführt. Der Anteil an Diesel-Fahrzeugen auf deutschen Straßen sei dagegen gesunken. Bei der Spekulation an den Märkten für Rohöl und Benzin ist laut Weinberg dagegen aktuell kein großer Unterschied zur Lage im Jahr 2008 zu erkennen.

Nach Einschätzung von Marktbeobachtern schließen damals wie heute zumeist große institutionelle Anleger an den Future-Märkten ihre Wetten auf alle Rohöl-Produkte ab und treiben so die Marktpreise. Nach den jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes mussten die Verbraucher bereits im Januar bei den Kraftstoffen einen Aufschlag von 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr hinnehmen. (dpa) (mfz)