Proteste gegen Jobabbau bei Siemens-IT-Sparte
4200 Jobs werden laut Siemens bei SIS, der IT-Sparte des Elektrokonzerns, im Rahmen einer kompletten Neuorganisation und Ausgliederung wegfallen, 2000 davon in Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter protestieren und werfen Siemens Konzeptionslosigkeit vor.
4200 Jobs sollen bei SIS, der IT-Sparte von Siemens, im Rahmen einer kompletten Neuorganisation und Ausgliederung wegfallen, gab der Elektrokonzern am gestrigen Donnerstagabend auch offiziell bekannt, nachdem die Nachricht zuvor schon die Runde gemacht hatte. 2000 Arbeitsplätze sollen in Deutschland wegfallen, vor allem die Standorte Nürnberg/Erlangen, Paderborn und München sollen betroffen sein. Die Pläne von Siemens stoßen auf heftigen Widerstand der Gewerkschaft.
Die Gewerkschaft IG Metall und der Siemens-Gesamtbetriebsrat erklärten nach der Ankündigung von Siemens, dass sie die Pläne entschieden ablehnen. Sie fordern "ein tragfähiges wirtschaftliches Konzept für SIS". Trotz der "wiederholten und nachdrücklichen Forderungen" der Arbeitnehmervertreter existierte dies bislang nicht. Neben dem Stellenabbau befürchten Gewerkschaft und Betriebsrat, dass es für die verbleibenden SIS-Mitarbeiter im Rahmen der Sanierung zu Einschnitten bei Arbeitsregelungen und Gehältern kommen könne. "Die SIS-Beschäftigten leisten seit über drei Jahren ihren Beitrag zur Kosteneffizienz. Trotzdem hat es weder grundlegende Veränderungen im Management noch ein tragfähiges Konzept gegeben. Den Versuch, diese Versäumnisse mit einer neuen Sparrunde zu kompensieren, lehnen wir ab", kritisiert Dieter Scheitor, bei der IG Metall für Siemens zuständig und Mitglied im Aufsichtsrat.
SIS soll aus Siemens ausgegliedert werden und ab dem 1. Oktober als eigenständige Firma auftreten. Zunächst arbeitet SIS als hundertprozentige Siemens-Tochter weiter, nach der Sanierung und Neuorganisation ist für Siemens aber auch ein Verkauf oder ein Börsengang der IT-Sparte denkbar. Neben dem Stellenabbau sind laut Siemens bis 2012 insgesamt 500 Millionen Euro Investitionen im Rahmen der SIS-Neuorganisation geplant. Der Konzern kündigte gleichzeitig an, mit den Arbeitnehmervertretern Beratungen aufnehmen zu wollen. Der Stellenabbau solle "alle Möglichkeiten für freiwillige Maßnahmen ausschöpfen und so sozialverträglich wie möglich umgesetzt werden".
Mit der erneuten Reorganisation geht für SIS eine lange Geschichte von Sanierungen in die nächste Runde. Im Jahr 2006 stand die damals SBS genannte IT-Dienstleistungssparte als Krisenkandidat schon einmal zur Debatte. Von einem möglichen Verkauf hatte Siemens unter der Führung von Klaus Kleinfeld damals Abstand genommen und sich für eine Sanierung unter Eigenregie entschieden. Im Zuge dessen wurde SBS mit vier weiteren Sparten zur "Siemens IT Solutions and Services" (SIS) zusammengefasst.
Nach turbulenten Monaten mit Affären um Schmiergeldzahlungen und der Finanzierung von Gegengewerkschaften sowie massivem Stellenabbau hatte Siemens zu Jahresbeginn erst verschärfte Sparmaßnahmen mit dem Abbau von 2000 Stellen in Deutschland angekündigt und anschließend erklärt, in Indien zu investieren und 8000 neue Jobs auf dem Subkontinent zu schaffen. Für das erste Quartal des laufenden Geschäftsjahres wies der Konzern Ende Januar einen Nettogewinn von gut 1,5 Milliarden Euro aus. (jk)