Der Raketen-Hubschrauber
Ein US-Unternehmen baut einen Ein-Mann-Helikopter, der mit Wasserstoffperoxid angetrieben wird.
Ein US-Unternehmen baut einen Ein-Mann-Helikopter, der mit Wasserstoffperoxid angetrieben wird.
Die amerikanische Firma Swisscopter Americas hat einen neuartigen Einmann-Hubschrauber vorgestellt, der auf eine ungewöhnliche Art in die Luft geht: Statt einer fest eingebauten Turbine, die den Rotor antreibt, werden kleine Raketen genutzt, die an den Spitzen der Rotorblätter sitzen. Diese werden mit Wasserstoffperoxid aus zwei Tanks betrieben und sollen für einen vibrationsarmen und stabilen Flug sorgen. Der Heli, der auf Komponenten aus dem Ultraleichtflugzeug-Bau basiert, soll dabei relativ leise und umweltfreundlich unterwegs sein, weil kein Flugbenzin mehr verfeuert werden muss.
Beim Start des Raketen-Helikopters wirkt das "Dragonfly DF1" genannte Fluggerät auf den Beobachter ein wenig wie ein sich schnell drehender Feuerwerkskörper. Im näheren Umfeld des Helis sollte man dabei auch nicht stehen: Der Peroxid-Heißdampf in den Triebwerken erreicht in der Spitze bis zu 600 Grad Celsius.
Der Raketenantrieb hat den Vorteil, dass er eine stabile Fluglage verspricht – ein komplexes Steuersystem, um den Heli in der Luft zu halten, ist nicht mehr notwendig. Ein zusätzlich angebrachter Heckrotor übernimmt allein das Drehen des Vehikels, wird aber nicht zur Herstellung der Flugtauglichkeit benötigt. Die Lenkung erfolgt über eine lenkerartige Kontrollstange, mit der die Rotoreinstellungen vorgenommen werden. Fußpedale wie bei herkömmlichen Helis fehlen ganz, was Flugschüler freuen dürfte.
Der DF1 soll insgesamt 50 Minuten unterwegs sein können und erzielt eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 km/h – maximal sind 185 km/h möglich, bei einer Flughöhe von bis zu 4000 Metern. Das Leergewicht liegt bei knapp 100 Kilo, insgesamt kann der Schrauber 230 Kilo inklusive Treibstoff und Pilot transportieren. Laut Swisscopter Americas wurden im November letzten Jahres erfolgreiche Testflüge absolviert, mit einer Zulassung und Vermarktung ist noch 2010 zu rechnen. Insgesamt arbeitete das Entwicklerteam zwei Jahre an der aktuellen Version.
Neben der reinen Sportvariante soll es auch Aufsätze für Luftaufnahmen oder den landwirtschaftlichen Bereich – etwa zum Versprühen von Pflanzenschutzmitteln – geben. Selbst als kleiner medizinischer Transporter wäre der Heli denkbar, wenn das zulässige Gesamtgewicht nicht überschritten wird. Aber auch sonst kann man das Fluggerät mit allerlei Finessen ausstatten – von der Seilwinde über die (standardmäßig optionale) Windschutzscheibe bis zum Autopiloten bietet Hersteller Swisscopter aus Arizona eine reichhaltige Palette an.
Die Technik des DF1 ist in ihren Grundzügen übrigens nicht neu: Die Hauptidee stammt aus den Fünfzigerjahren und auch das US-Militär experimentierte bereits mit entsprechenden Ein-Mann-Fluggeräten – sogar in der deutlich abenteuerlicheren Form von Hubschrauber-Rucksäcken. Es bleibt abzuwarten, ob sich die neue Antriebsform auf dem Markt wirklich durchsetzen kann – Start und Landung wirken auf Menschen, die nur "normale" Helikopter kennen, doch recht abenteuerlich, wie ein Video eines Versuchsfluges zeigt.
(bsc)