Digitale Teilhabe dank Hardware-Spenden: Wie Organisationen BedĂĽrftigen helfen
Seite 2: Hardware spenden: Warum und fĂĽr wen?
Martin Klingner ist Mitarbeiter des Vereins Computertruhe e.V. und Mitbegründer des Standorts Berlin. Als Antwort auf die Frage, wie er zu seinem Ehrenamt gekommen sei, schildert er, wie er bei einem handwerklichen Einsatz mehrere neuwertige Tablets und Smartphones in einem Müllcontainer sah. Da habe er sich überlegt, dass alte, aber noch funktionierende Geräte doch besser an Menschen weitergegeben werden könnten, statt im Hausmüll entsorgt zu werden.
Vereine wie Computertruhe machen sich genau dies zur Aufgabe. Indem sie Second-Hand-Geräte aufbereiten und an Bedürftige weitervermitteln, verknüpfen sie soziales Engagement mit dem Aspekt der Nachhaltigkeit. "Warum sollten Menschen, die auf der Flucht sind oder denen es aus finanziellen Gründen an Vielem fehlt, ausgerechnet einen PC benötigen?", mag sich nun manch einer fragen. Die übereinstimmende Antwort vieler Helfer: "Um am digitalen Leben teilhaben zu können."
Je nach betroffenem Personenkreis könne sich fehlende Teilhabe unterschiedlich auswirken – häufig gravierender, als man auf den ersten Blick annehmen könnte. Für einkommensschwache Erwachsene beispielsweise seien die Online-Kommunikation mit Behörden oder auch die Jobsuche nebst komplettem Bewerbungsprozess umso komplizierter, wenn das Geld für einen eigenen Laptop fehle. Vieles lasse sich nicht oder nur sehr schwer mit dem Smartphone erledigen.
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Laptops als Werkzeug zur Integration
Derzeit erleben viele Vereine eine starke Nachfrage nach gebrauchten Geräten vor allem durch Neuankömmlinge aus der Ukraine. "Beispielsweise können ukrainische Kinder online am Unterricht ihrer Heimatschule teilnehmen, aber das verlangt einen halbwegs leistungsfähigen Rechner", berichtet Johannes Hundshammer, Gründer und erster Vorstand des Vereins Computerspende Regensburg. Mit ähnlichen Problemen wie die Schüler seien auch Erwachsene konfrontiert, die an Online-Integrationskursen teilnehmen wollen: Leider böten die Kommunen zwar gute Kurse an, nicht aber das erforderliche Equipment.
Vielerorts sei die Nachfrage nach Hardware-Ausstattung durch Geflüchtete derzeit so groß, dass die Ehrenamtlichen kaum mit dem Bearbeiten der Anfragen hinterherkämen, berichtet Computertruhe-Mitbegründerin Julia Fiedler. So überlege man derzeit etwa am Vereinsstandort Chemnitz, eine temporäre Anfragensperre einzurichten, "um die Warteliste nicht ins Unermessliche ansteigen zu lassen".
In vielen Fällen sei ein Laptop neben dem Smartphone das wichtigste Werkzeug zur Integration, bestätigen auch Frank Gärtner und Thomas Ebinger vom Freundeskreis Asyl Ostfildern. Die Ehrenamtlichen des lokal tätigen Vereins sehen die Vermittlung von Hardware als einen wichtigen Baustein ihrer Arbeit, den sie mit der Betreuung von Freifunk für nahegelegene Geflüchtetenunterkünfte kombinieren. "Die Laptops stellen wir den Geflüchteten unentgeltlich zur Verfügung, es muss lediglich ein kleiner Betrag als Pfand hinterlegt werden, um die Wertschätzung sicherzustellen. Die Geflüchteten verpflichten sich, das Gerät sorgsam zu behandeln (...) und an den Freundeskreis zurückzugeben, sollten sie es nicht mehr benötigen."
Hardware-Spenden fĂĽr GeflĂĽchtete (5 Bilder)
