Digitale Teilhabe dank Hardware-Spenden: Wie Organisationen BedĂĽrftigen helfen

Seite 4: Hardware-Annahme und -Abgabe im Ăśberblick

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Als Spender für Hardware kommen Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen gleichermaßen infrage. Unternehmensspenden sind häufig besonders gern gesehen. Denn es sei deutlich einfacher, "hundert baugleiche Laptops zu verarbeiten, als hundert verschiedene", erläutert Tobias Schär vom Schweizer Verein "Wir lernen weiter". Auch die meist hohe Wertigkeit der Unternehmensrechner spielt eine Rolle. Dies sollte Privatpersonen allerdings keinesfalls vom Spenden abhalten.

Die Anforderungen an die gespendete Hardware variieren je Verein, sind jedoch meist überschaubar. In Bezug auf den Freundeskreis Asyl Ostfildern erklären Frank Gärtner und Thomas Ebinger beispielsweise: "Die Geräte müssen Windows 10 oder eine aktuelle Linux-Variante unterstützen und halbwegs performant laufen. Hauptanwendungen sind Internet und Officeanwendungen, für Homeworking und Homeschooling sollte möglichst eine Kamera und Mikro vorhanden sein".

Zum Hardware-Transport reichen mitunter zwei Räder: Hier holt Johannes von Computertruhe e.V. (Standort München) eine Sachspende mit dem Lastenrad ab.

(Bild: Computertruhe e.V. )

Viele Projekte, darunter etwa auch das Hilfsprojekt Labdoo.org, stellen online eine Übersicht über die benötigten Spenden bereit, an der man sich orientieren kann. Speziell dieses Projekt, das Schulen weltweit unterstützt, nimmt aus logistischen Gründen keine Desktop-Rechner, dafür aber Laptops, Tablets und eBook-Reader an. Generell sind Laptops bei vielen Empfängern besonders beliebt: "Desktop-PCs haben wir in der Regel ausreichend auf Lager. Für Laptops hingegen gibt es eine lange Warteliste", berichtet etwa auch Lukas Seeber aus dem Vorstand von "angestöpselt e.V.". Laut einigen Ehrenamtlichen hängt dies vor allem mit Platzmangel in Geflüchtetenunterkünften zusammen.

Auch Peripherie steht auf den Wunschlisten vieler Vereine. Ebenfalls heiß begehrt sind SSDs, um die alten Geräte ein wenig performanter zu machen. In einem Punkt sind sich alle einig: Die Spenden dürfen keinen oder keinen hohen Reparaturbedarf in sich bergen, da dies für die Helfer zu zeitaufwändig wäre.

Für die Spendenannahme unterhalten einige Projekte spezielle Annahmestellen; andere holen Spenden ab oder arbeiten zu diesem Zweck mit Speditionen zusammen. Mitunter kann man alte Hardware, sofern versandfähig, auch per Post an die Vereine schicken. Da verschiedene Projekte den Annahmeprozess mitunter sehr unterschiedlich organisieren ist es sinnvoll, nähere Details auf den am Ende dieses Artikels verlinkten Projektseiten nachzulesen.

Zur Abholung größerer Spenden braucht es hingegen eine große Ladefläche und mehrere helfende Hände.

(Bild: Johannes Hundshammer, Computerspende Regensburg)

Außer über Webrecherchen würden Bedürftige häufig einfach via Mund-zu-Mund-Propaganda innerhalb ihrer Freundeskreise und Communities auf die Projekte aufmerksam, berichten Ehrenamtliche. Auch Beratungsstellen, karitative Organisationen, Helferkreise für Geflüchtete oder Schulen würden, je nach Zielgruppe, das jeweilige Spendenangebot empfehlen. Und, wie Lukas Seeber von "angestöpselt" ergänzt: "Auch die Agentur für Arbeit verweist gern auf unser ehrenamtliches Angebot, da das Budget für digitale Ausstattung, welches in den Regelsätzen enthalten ist, sehr niedrig angesetzt ist".

Einige Vereine verlangen Nachweise über die Bedürftigkeit der Hardware-Empfänger. Im Falle von Labdoo.org will man im Rahmen von Spenden ins Ausland vor allem Betrug ausschließen, erklärt Ralf Hamm, Gründer von Labdoo.org Deutschland und erster Vorsitzender von Labdoo.org e. V.: "Ausländische Schulen müssen mit einer Kopie des staatlichen Schul-/NGO-Zertifikats und entsprechenden Fotos ihre Existenz nachweisen sowie den ausgefüllten Antrag einreichen". Von Familien innerhalb Deutschlands werde bei der Laptop-Vergabe fürs Homeschooling lediglich eine Schulbescheinigung, nicht aber ein Nachweis über die finanzielle Situation verlangt.

Andere Vereine benötigen Sozialleistungsbescheide (z. B. über Wohngeld, BAFöG, Sozialhilfe oder Arbeitslosengeld II) oder etwa eine aktuelle Gehaltsabrechnung (bei Geringverdienern) als Nachweise für die Bedürftigkeit.

Sofern die Übergabe der Geräte nicht ohnehin gesammelt vor Ort, etwa an Schulen oder an Geflüchtete, erfolgt, besteht häufig die Möglichkeit, benötigte Hardware über Kontaktformulare auf den Websites der Vereine zu beantragen. Bewerber landen oft in einem Ticketsystem. Ist schließlich etwas Passendes verfügbar, folgt meist die Vereinbarung eines Termins zur Abholung. Dass Geräte verschickt werden, ist eher die Ausnahme.

Die ausgegebenen Geräte sind je nach Verein Leihgaben oder auch Geschenke. Vor allem Projekte, die nicht nur Ehrenamtliche, sondern auch bezahlte Helfer beschäftigen, erheben mitunter einen geringen Unkostenbeitrag, um ihre Arbeit zu finanzieren.