c't zockt Spiele-Review: "DOOM: The Board Game"

Seite 7: Highlights und Fazit – Hell on Earth

Inhaltsverzeichnis

Highlights sind neben dem dynamischen Deckungssystem und dem Look von DOOM: The Board Game auf dem Tisch aus Designperspektive auch die Mechanismen zum Ausbalancieren des Spielgleichgewichts bei unterschiedlich vielen Marine-Spielern.

Schlicht und elegant justiert DOOM hier ausschließlich auf Seiten der Marines nach. Anstatt aufwendig die Anzahl der Dämonen oder Handkarten des Zerstörers anzupassen oder die Spielziele zu verändern, erhalten die Marines je nach Anzahl kleine Zusatzkarten, die für Ausgleich sorgen.

Geschmeidig gelöst: Zusatzkarten halten bei variabler Spielerzahl die Balance. Waffenauswahl und die vielen Rollenkarten erlauben hunderte Marine-Setups.

Sind die Soldaten vollzählig, läuft alles wie geplant. Sind sie nur zu dritt, erhält einer von ihnen eine kleine Zusatzkarte, die eine weitere Hauptaktion erlaubt und eine Handkarte mehr gibt – am Ende jeder Runde wird die Zusatzkarte an einen anderen Marine weitergereicht, der dann die Führung übernimmt.

Bei nur zwei Marines erhalten beide eine Karte, die neben zwei Hauptaktionen und einer zusätzlichen Handkarte auch zwei Lebenspunkte mehr verleiht. Spielt man sogar nur zu zweit – Zerstörer gegen Marine – erhält dieser als Einzelkämpfer sogar fünf zusätzliche Lebenspunkte. Außerdem wird eine zweite Marine-Karte ins Initiativedeck gemischt, sodass dieser zweimal pro Runde am Zug ist.

Letztendlich haben die Marines – egal wieviele – also in jeder Runde vier Hauptaktionen und somit Angriffe im Kampf gegen die Dämonen zur Verfügung. Durch die zusätzlichen Lebenspunkte wird außerdem verkraftbar, dass sich der Zerstörer auf weniger Marines konzentrieren muss, um seine sechs Kill-Marker zu sammeln. Dennoch empfiehlt sich das Spiel mit mindestens drei, eher vier oder fünf Spielern, da so mehr taktische Tiefe und Interaktion am Tisch möglich ist.

Negativ fällt immer mal wieder auf, dass der flüssig gestaltete Spielfluss durch lange Wartezeiten für einzelne Spieler zäh wird. Die schiere Menge an zu bedenkenden Elementen und zu bewegenden Figuren erfordert Zeit. Kommt dann noch viel Taktieren hinzu, das ja durchaus erwünscht ist, mögen sich einige Spieler schnell langweilen. Da DOOM nunmal DOOM ist, findet sich auch keine spannende Story, die über Wartezeiten hinwegtrösten könnte. Stattdessen wartet man einfach darauf, dass man an der gut designten Spielmechanik wieder teilhaben darf.

Bossfight! Den Cyberdämon kann der Zerstörer in fortgeschrittenen Missionen beschwören. Um die aus drei Teilen bestehende "Miniatur" zu erledigen, braucht es Teamwork und geballte Feuerkraft.

Hier böte sich eine Hausregel an: Pro aktivierter Figur erhält jeder Spieler eine oder zwei Minuten Zeit, um Bewegung und Angriffe auszuführen. Reicht die Zeit nicht, um alle Möglichkeiten zu durchdenken, ist man eben zu langsam und zahlt dafür gegebenenfalls einen blutigen Preis – wie beim Videospiel auch.

Wenn DOOM: The Board Game dann aber läuft, läuft es – und das auf absoluter Retro-Hardware. Die ersten der vorgefertigten Szenarien sind etwas zugunsten der Marines entworfen, damit diese durch Erfolgserlebnisse gut ins Spiel finden. Die folgenden Missionen fühlen sich dann aber stets auf Messers Schneide an und sorgen somit für Spannung und regelmäßige "Episch!"-Momente.

Unser Tipp: jeden Spieler mal als Zerstörer spielen lassen, verschiedene Missionen und Marine-Setups ausprobieren – und den offiziellen Soundtrack von DOOM beim Zocken laufen lassen! Rip and Tear, Until it is Done! (jube)