Kombinierte Nutzung: Wie sich Weidefläche für Photovoltaik-Anlagen nutzen lässt

Seite 2: Landschaftsbild ausgleichen

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„Der Kreativität, eine Freiflächenanlage möglichst naturfreundlich zu gestalten, sind im Prinzip keine Grenzen gesetzt“, sagt die Biologin Christina Grätz, Geschäftsführerin der brandenburgischen Firma NagolaRe, die unter anderem Solarparkbetreiber berät.

Solche Bio-Solarparks produzieren durch ihre großen Modulabstände allerdings bis zu 20 Prozent weniger Strom pro Fläche. Im Gegenzug steigern sie aber auch Artenvielfalt und damit die Akzeptanz der Bevölkerung, sagt die Landschaftsökologin Nathalie Arnold vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende (KNE). Denn die ist keineswegs immer gegeben: Bei den Mulkwitzer Hochkippen, eine rund 410 Hektar große ehemalige Abraumhalden im Osten Sachsens, sollten beispielsweise zwei Solarparks errichtet werden. Eine lokale Interessengemeinschaft monierte jedoch, dass sich auf dem renaturierten Gelände neue, intakte Ökosysteme gebildet hätten. Daher hält der Nabu die Flächen für nicht genehmigungsfähig.

Zwei-Megawatt-Solaranlage im saarländischen Eppelborn.

(Bild: next2sun)

Oft werden Solarparks auch einfach durch ihre technisch-künstliche Anmutung als störend empfunden. „Darum sollten Solarparks nicht auf exponierten Flächen wie Hügeln angelegt werden“, empfiehlt Tina Mieritz, Nabu-Referentin für Energiepolitik und Klimaschutz. „Darüber hinaus kann außerhalb des Zauns zum Beispiel eine Hecke Sichtschutz bieten und gleichzeitig als weiteres Biotop für Tiere dienen.“

Das allein reiche aber nicht immer, meint Nathalie Arnold. „Unabhängig vom Eingriff in den Naturhaushalt sollten Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes ausgeglichen werden, etwa durch Anlegen einer Streuobstwiese. Und die Bürger sollten von Anfang an mitgenommen, ihre Wünsche gehört und einvernehmliche Pläne gemacht werden. Eine Option ist auch, sie an den Gewinnen des Stromverkaufs zu beteiligen.“

Ein zentraler Kritikpunkt an Freiflächenanlagen ist zudem, dass sie die Pachtpreise für Ackerflächen in die Höhe treiben. Der Bauernverband bezeichnet Solarparks deshalb als „Flächenfraß“. Ein Einwand, der auf den ersten Blick gerechtfertigt ist: Die durchschnittliche Jahrespacht für Ackerland liegt in Deutschland bei etwa 430 Euro pro Hektar, bei Grünland sind es 234 Euro. Doch Grundstücke, auf denen Solaranlagen errichtet werden, erzielen 1.500 bis 3.000 Euro.

Doch wenn der Gesetzgeber richtig steuert, ließe sich diese Befürchtung zerstreuen: Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft weist darauf hin, dass nur 2,5 bis 3 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausreichen würde, um den Strombedarf des gesamten Landes zu decken. Und dies ist nur ein kleiner Teil der Flächen, die aktuell für Energiepflanzen genutzt werden, also ohnehin nicht der Nahrungsmittelversorgung dienen.

„Das Potenzial ist enorm“, meint auch Christina von Haaren, Professorin für Landschaftsplanung und Naturschutz an der Uni Hannover. Sie hat untersucht, wie viel Fläche für erneuerbare Energien überhaupt infrage kommt. Dabei schloss sie alle Gebiete aus, deren Nutzung aus rechtlichen oder anderen Gründen unmöglich oder zumindest fraglich ist. Übrig blieben bundesweit 1,5 Prozent der gesamten Landfläche, die man „relativ sorglos“ nutzen könne. Würde man dort ausschließlich Windkraftanlagen bauen, würde dies – gemeinsam mit anderen Erneuerbaren wie Geothermie oder Solarmodulen auf den Dächern – bereits ausreichen, um den gesamten prognostizierten Strombedarf zu decken.

Trotzdem hält sie Solarparks für notwendig, um vor Ort den richtigen Energiemix herzustellen. So können Solaranlagen beispielsweise im Sommer, wenn der Wind schwächelt, den Ausfall an Windkraft ausgleichen. „Außerdem glauben wir nicht daran, dass das Dachflächenpotenzial schnell aktiviert werden kann“, sagt van Haaren.