Missing Link: Internetstars – Von Influencern, YouTubern und Twitchstreamern
Seite 3: PietSmiet – Reichweitengeschäft
"Das Kernunternehmen PietSmiet besteht aus elf Personen, die alle von dem "Reichweitengeschäft" leben und bezahlt werden", erklärt Peter Smits, Gründer des 2007 angelegten YouTube-Kanals "PietSmiet" mit aktuell 2,41 Millionen Abonnenten, gegenüber heise online. Neben dem Hauptkanal, der unter dem Motto "will mehr als nur spielen" Gaming-Content enthält, und einer eigenen Website existieren vier weitere Kanäle, die React-, Frage und Antwort- und Best of-Inhalte bieten. Auf Twitch streamt das Unternehmen auf zwei Kanälen und ist auf weiteren Social-Media-Kanälen vertreten.
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Den größten Teil seiner Einnahmen generiere PietSmiet auf YouTube mit 35 Millionen bis 40 Millionen Views pro Monat. "Sobald ein Video für Werbung freigeschaltet wird, hat der Kanalbetreiber wenig Einfluss auf die beworbenen Inhalte", erklärt Peter, "Wahlwerbung kann aber zum Beispiel inzwischen ausgeschlossen werden." Neben der von YouTube geschalteten Werbung verkauft das Unternehmen Produktplatzierungen in seinen Videos.
Der Begriff Influencer werde Peters Meinung nach der Arbeit, die er und viele andere täglich ausführen, nicht gerecht, auch Content Creator beschreibe es nicht genau: "Bei PietSmiet produzieren wir ja nicht nur die Inhalte! Vergleicht man es mit der Film-Branche, wo Schauspieler, Produzenten und Writer beispielsweise genau definierte Aufgaben haben, sind wir das alles in einer Person."
Corona hat Twitch-Präsenz verstärkt
Eine weitere Einnahmequelle für die PietSmiets ist Twitch. "In Corona-Zeiten haben wir unsere Präsenz auf Twitch verstärkt", erklärt Peter, "der Lockdown und die damit verbundenen Schließungen von Restaurants und Kneipen zogen mehr Zuschauer vor die Bildschirme und die brauchten ja auch Content." Twitch werde für PietSmiet schon deshalb immer wichtiger, um unabhängiger von YouTube zu werden.
Mit der Partnerschaft von Twitch verzichte das Unternehmen vertraglich darauf, auf anderen Plattformen live zu streamen. "Mit den Partnerverträgen sichert sich Twitch den Inhalt der Künstler zeitexklusiv, im Gegenzug profitieren die von zusätzlichen Einnahmemöglichkeiten", erläutert Peter und weist darauf hin, dass Twitch an den meisten finanziellen Unterstützung durch die Zuschauer mitverdiene. Auf Twitch betreibt PietSmiet zwei Kanäle, der Hauptkanal hat aktuell 560.000 Follower.
"Ich bin mir der Gefahr bewusst"
Peter hat mit YouTube während seines Studiums begonnen, seine Reichweite ist permanent gewachsen. Als er davon leben konnte, hat er aus der Nebenbeschäftigung seinen Beruf gemacht. Die Reichweite und Abo-Zahlen wachsen auch heute noch. "Die Einstiegshürden in das Geschäft sind relativ gering, eigentlich reicht ein Smartphone mit Videofunktion, um Videos zu produzieren, und ein Internetzugang, um sie hochzuladen", beschreibt Peter die Möglichkeiten, ins Influencer-Geschäft einzusteigen. "Wir arbeiten allerdings mit professionellem Equipment." Da bei den PietSmiets jeder von zuhause arbeite, müsse das alles mehrfach vorhanden sein.
Der Gefahr für Content Creatoren sei Peter sich durchaus bewusst. "Als YouTube die Werbung in Videos für Kinder reduziert hat, ist uns wieder bewusst geworden, wie schnell sich die Dinge ändern können", auch wenn PietSmiet davon nicht betroffen sei, "da wir mit unseren Inhalten Kinder nicht explizit ansprechen". Bezüglich des Banns von Dr Disrespect meint Peter: "So ein Ausschluss kommt aber nicht von ungefähr, da wird Entsprechendes vorgefallen sein. Wir wurden bisher noch auf keiner Plattform gesperrt," was auch daran liege, dass sie sich ständig über Neuerungen und Änderungen im Regelwerk informieren würden. Dazu nutze das Unternehmen die offiziellen Blog-Einträge, Gespräche mit den Betreuern – dessen Erreichbarkeit Peter als gut beschreibt – der einzelnen Plattformen oder das Multi-Channel-Network "Allyance", die zwischen YouTube und den Künstlern vermittele und dem sich das Unternehmen angeschlossen habe. "Notfalls fragen wir noch mal genau nach."
(Bild: Peter Smits)
"Ich wünsche mir echte Konkurrenz"
Die Größe der Plattformen und die im Hintergrund agierenden Konzerne sieht Peter nicht kritisch: "Wenn einer Scheiße baut, will ich nicht auf einer Plattform sein, die tatenlos zusieht!" Die Regeln seien gut, relativ eindeutig und bevor man ausgesperrt werde, bekomme man erst mal eine Verwarnung (Strike). "Auf YouTube bekommt man vor einer Kanalschließung drei Strikes." Auf Twitch gehen einem permanenten Bann in der Regel zeitlich begrenzte Ausschlüsse voraus, besonders grobe Verstöße gegen die Nutzungsbedingungen (Terms of Service) oder extremes Fehlverhalten können auch zum sofortigen Bann führen.
"Die Schließung von Mixer kam für viele aus dem Nichts", erklärt Peter, "ich wünsche mir mehr echte Konkurrenz zu YouTube und Twitch, denn auch wenn Mixer nie wirklich groß war, stand immerhin Microsoft dahinter und es gab eine Alternative". Schützen könne man sich nur durch breites Aufstellen. "Wir betreiben eine eigene Website, auf der unsere Videos unabhängig von Twitch oder YouTube verfügbar sind." Das sei allerdings sehr kostenintensiv.
Mit Corona sind für das Unternehmen aber auch wichtige Präsenzveranstaltungen wie zum Beispiel die Gamescom in Köln weggefallen, auf der Peter die Eröffnungsrunde mit den Politikern moderiert. Außerhalb des Webvideo-Contents gehören zum Unternehmen auch das 2015 gegründete Künstlermanagement 2nd Wave GmbH in Berlin, die Super Crowd Entertainment GmbH in Hamburg, die die Hybrid Convention "MAG" in Erfurt ausrichtet, und die Kreativ-Agentur Kahuna GmbH für Content-Strategie-Beratung.